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Kritik: Anderswo (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Anderswo" berichtet von einer desillusionierten Frau Anfang 30, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden hat - und damit stellvertretend für viele Angehörige der Gruppe der Endzwanziger und Frühdreißiger steht, die zwischen Liebe, persönlichem Glück, Studium und Beruf irgendwo ihr individuelles Lebensglück suchen. Bei der Hauptfigur Noa kommt schließlich noch das essentielle Thema "Heimat" hinzu. "Anderswo" ist das Regie-Debüt von Ester Amrami, der israelischen Regisseurin und Drehbuchautorin. Der Film ist eine ehrliche, engagierte Tragikomödie, in der sich viele junge Menschen wieder finden werden. Hinzu kommen die amüsanten Dialoge und - vor allem - das frische Spiel der charismatischen Hauptdarstellerin, die aus "Anderswo" einen überdurchschnittlichen Film machen.

Hauptfigur Noa steht in diesem Film stellvertretend für viele junge Erwachsene, die sich alterstechnisch zwischen Ende 20 und Mitte 30 bewegen. Deren Leben ist nicht selten gekennzeichnet von Verwirrung und Unsicherheit ob der beruflichen Zukunft, der Suche nach dem persönlichen Glück und dem Druck von außen, sich in dem Alter doch bitte schön endlich irgendwo niederzulassen, zur Ruhe zu kommen und (am besten ein Leben lang) häuslich einzurichten. So eine Frau ist auch Noa, die mit ihrem Freund gerade in Berlin zusammengezogen ist, nicht wissend, ob das mit der gemeinsamen Bleibe funktioniert und wie das Ende des Studiums erreicht werden soll - vor allem, nachdem das Thema ihrer Abschlussarbeit von den Professoren als ungeeignet eingestuft wurde.

Hinzu kommt bei Noa freilich noch die Besonderheit, dass sie zwei Heimaten hat, zwischen denen sie sich hin- und hergerissen fühlt. Auch dieser Aspekt betrifft viele junge Menschen hierzulande. Glaubwürdig und plausibel greift Regisseurin Amrami viele damit verbundenen Probleme und Unsicherheiten auf und setzt diese gekonnt filmisch um. Dass "Anderswo" so gut funktioniert, ist zudem auch Hauptdarstellerin Neta Riskin zu verdanken, die hier eine ihrer ersten Hauptrollen spielt. Riskin agiert mit unverwüstlichem Engagement für ihre Rolle und verleiht der ständigen Unsicher- und Unentschlossenheit mit weit aufgerissenen Augen und melancholischem Blick Ausdruck.

Fazit: Aufrichtige, ungeschminkte Tragikomödie über eine Frau auf der Suche nach sich selber und ihrer wahren Heimat.





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