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Die Böhms - Architektur einer Familie
Die Böhms - Architektur einer Familie
© Real Fiction

Kritik: Die Böhms - Architektur einer Familie (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1920 in Offenbach geborene Gottfried Böhm zählt zu den wichtigsten Architekten im Nachkriegsdeutschland. Seine effiziente Bauweise und sein fortschrittlicher Einsatz von Beton als Bausubstanz sorgten in einem völlig zerstörten Land nach 1945 dafür, dass viele deutsche Städte - vor allem in Nordrhein-Westfalen - bereits nach wenigen Jahren wieder über ein Gotteshaus verfügten. Böhms wichtigste Projekte waren seit jeher Sakralbauten, die nicht selten imposanten Skulpturen ähnelten. Zu den von ihm geschaffenen Bauwerken zählen z.B. die Heilig-Geist-Kirche in Hagen-Emst, die Koblenzer St. Elisabeth-Kirche oder - wohl sein bekanntestes Werk - der Mariendom in Neviges. Mitte der 80er-Jahre wurde Böhm als bisher einziger deutscher Architekt mit dem hochrenommierten Pritzker-Preis prämiert. Auch seine drei Söhne ergriffen den Beruf des Architekten und führen bis heute das Werk des einflussreichen Vaters erfolgreich fort.

Die meiste Zeit des Films spielt sich im aus den 30ern stammenden Haus der Familie in Köln ab, in das sich Regisseur Staerkle-Druxs für fast zwei Jahre einquartierte. Der Filmemacher ist seit Jahren ein enger Freund der Familie, was dem Film auch ein Stück an Distanz und Objektivität zur porträtierten Familie nimmt. Auf der anderen Seiten sorgt die Nähe des Regisseurs zu seinen porträtierten Protagonisten auch dafür, dass diese sich ungemein offen präsentiert und intime Einblicke zum einen in ihr innerstes Familienleben zulassen, andererseits auch in die Arbeitsweise der Dynastie, die von derart hoher Akribie und Leidenschaft bestimmt ist, wie man es selten zu Gesicht bekommt.

In langen Gesprächen berichten die Brüder (und nicht selten auch der langjährige Gärtner der Familie) über die Lebensleistung des Vaters, dessen bis zum heutigen Tag bestehende Leidenschaft für die Architektur und seine wichtigsten Bauten. Ein paar Informationen und Einblicke mehr in (vergangene und aktuelle) Projekte der Söhne, hätte man sich aber schon gewünscht. Der Patriarch selbst äußerst sich selber kaum zu seiner Vergangenheit, der Krankheit seiner Frau, die während der Dreharbeiten verstarb, oder der Kindheit unter dem Hakenkreuz. Diese Tatsache entspricht jedoch ganz dem Wesen von Gottfried Böhm - eines introvertierten, schwer fassbaren Künstlers von Weltformat.

Fazit: Erhellende, facettenreiche Doku über eine der bedeutendsten Architektur-Familien der deutschen Nachkriegsgeschichte, der ein bisschen mehr Abstand zu den Porträtierten gut getan hätte.





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