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FBW-Bewertung: Verstehen Sie die Béliers? (2014)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Die Béliers ? das sind Vater, Mutter, der 14-jährige Sohn Quentin und die 16-jährige Paula, die Außenseiterin der kleinen Bauernfamilie. Denn sie kann als einzige hören und sprechen. Alle anderen sind gehörlos und deshalb in vielerlei Hinsicht aufdie Unterstützung der tüchtigen Paula angewiesen, die sich um den Käseverkauf auf dem Markt der Kleinstadt ebenso kümmern muss wie um die Verhandlungen mit der örtlichen Bank und um den Tierarzt, der gemeinsam mit ihr Kälbchen ?Obama? zur Welt bringt. Dazu ist Paula eine durchaus tüchtige Schülerin, die allerdings durch die vielen Anforderungen ständig müde ist und nicht gerne auf Partys geht. Ihre große Stunde schlägt, als der exzentrische Musiklehrer der Schule entdeckt, dass Paula nicht nur sprechen, sondern auch wunderschön singen kann. Und so muss sie sich entscheiden, ob sie ihr Elternhaus verlässt, um in Paris Musik zu studieren, oder ob sie dann doch nicht den Mut aufbringt, ihre Familie zu verlassen und sich und ihre Familie damit neuen Herausforderungen auszusetzen.
Die Problematik erinnert an ?Jenseits der Stille?, den Caroline Link vor bald 20 Jahrengedreht hat, und in dem auch ein junges Mädchen, das in einer taubstummen Familie aufwächst, sich neu orientieren muss. Der besondere Charme und Zauber dieser französischen Variante des Themas liegt in den Figuren des Films, vor allem der jungen Paula und ihrer Familie, deren alltägliche Sorgenund Freuden mit viel Humor, ohne billige Effekte und mit großer Empathie gezeigt werden. Louane Emera, die 18-jährige Darstellerin der Paula, überzeugt in ihrem Auftritt in der Rolle eines unsicheren Mädchens zwischen Pflicht und eigenen Wünschen, deren Hilflosigkeit sich auch in der Körpersprache ausdrückt, und ihr großer Auftritt bei einem Vorsingen bei Radio France mit einem Lied, das die Liebe zu den Eltern, aber auch die in dieser Lebensphase dringend notwendige Loslösung von den Eltern thematisiert, gehört zu den vielen anrührenden Momenten des Films, der aber an keiner Stelle zu sentimental oder gar larmoyant wirkt. Regisseur Eric Lartigau erzählt ein Coming of Age der etwas anderen Art, und seine visuellen Schilderungen des Lebens der gehörlosen Bauernfamilie balancieren geschickt zwischen Drama und Komödie. Die Musik des Films, darunter die wunderschönen Chansonsvon Michel Sardou, rundet diese Familiengeschichte ab, in der ein altes Thema ? die Schmerzen des Erwachsenwerdens für Kinder und Eltern ? auf liebenswerte Weise variiert wird.




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