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City of McFarland
City of McFarland
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: City of McFarland (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

US-Sportfilme erzählen sehr oft die klassische Aufsteigerstory des amerikanischen Traums. Wer hart trainiert und alles gibt, wird ein Champion sein und das nicht nur auf dem Spielfeld. In den meisten Fällen handelt es sich um wahre Geschichten, wie auch in dem Drama "City of McFarland", das gerade deswegen zur echten Bereicherung für das Genre wird. Denn die größte Herausforderung ist für diese Jugendlichen aus mexikanischen Migrantenfamilien nicht der Sport selbst – da sind sie von Anfang an sehr gut - , sondern ihre soziale Außenseiterstellung. Sie wachsen im Bewusstsein auf, dass der amerikanische Traum für sie nicht gilt. Regie führt eine Frau aus Neuseeland: Niki Caro ("Whale Rider") interessiert sich nicht dafür, eine schon unzählige Male gesehene Drill-Geschichte abzuspulen. Vielmehr erzählt sie vom Leben in der Latino-Stadt McFarland und dass es jemanden wie Jim White brauchte, um den Einwanderern die Tür zum gesellschaftlichen Aufstieg aufzustoßen.

Dieser emotionale, epische Film befreit den genretypischen Optimismus vom pathetischen Ballast, der nur stört. Kevin Costner ist die Idealbesetzung für Jim White, der am Schluss wie die längst erwachsenen Männer des ersten Teams vor der Kamera erscheint. Er spielt die Trainerrolle so zurückhaltend, ja antagonistisch, als wolle er sämtliche Heldenposen in Grund und Boden stampfen. Jim putzt seine Sportler nicht herunter, sondern lobt sie mit staunender, fast beiläufiger Anerkennung. Für die sieben Jugendlichen des Teams beginnt das Freischälen aus dem Kokon der Minderwertigkeit, den ihnen die amerikanische Gesellschaft überstülpt. Einer von ihnen – die Darsteller sind zum Teil Laien aus McFarland – schreibt in der Schule, beim Lauftraining fühle er sich frei und im eigenen Land.

In der bergigen kalifornischen Landschaft findet der Film schöne Bilder für das Training. Die Wettkämpfe kulminieren in Momenten von atemberaubender Spannung, als würden solche Szenen zum ersten Mal erzählt. Dennoch ist die Geschichte der wechselseitigen Integration noch wichtiger: Jim interessiert sich so sehr für das Leben seiner Schützlinge, dass er einmal zur Kohlernte aufs Feld mitgeht. Die mexikanische Gemeinschaft nimmt die Familie bald herzlich auf. Jims schnellster Läufer, Thomas, wirft ihm einmal im Streit vor, er werde hier wohl nicht lange bleiben und halte wie alle nach etwas Besserem Ausschau. Wenn vor dem Wettkampf die Nationalhymne erklingt, folgt der Film einer Version mit Latino-Gitarre und Jims Gedanken zu den folienbedeckten Hügeln aus Mandeln, auf denen er die Jungs bergauf und bergauf laufen ließ. So beweist dieser wunderbare Film, dass es nicht darum geht, mit Klischees zu brechen, sondern sie mit einer Wirklichkeit zu konfrontieren, die der Zuschauer nicht kennt.

Fazit: Die neuseeländische Regisseurin Niki Caro legt das Muster des amerikanischen Sportdramas wie eine transparente Folie auf die Realität einer Latino-Gemeinde in Kalifornien: Das Ergebnis ist ein wunderbarer, beglückender Film.





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