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I Want to See the Manager
I Want to See the Manager
© Real Fiction

Kritik: I Want to See the Manager (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zugegeben, das Thema des neuen Films von Hannes Lang ist kein allzu einfaches, es ist hochkomplex und vielschichtig. Aber es lohnt ungemein, es genauer zu betrachten, ebenso wie es unbedingt lohnenswert ist, diesen Film zu sehen. Ein Film, der ein Thema behandelt, dass uns letztlich in seinen mikrokosmischen Auswirkungen alle betrifft. Aufhänger des Films ist die Tatsache, dass sich die weltweiten, wirtschaftlichen Machtverhältnisse und -strukturen in den letzten Jahren deutlich verschoben haben. Bedingt durch globale Krisen hat eine Machtverschiebung stattgefunden: die hochindustrialisierten, modernen westlichen Staaten leiden vermehrt unter erheblicher Arbeitslosigkeit, sinkender Wirtschaftskraft und steigenden Schulden. Die Zeiten von Wirtschaftswunder und Vollbeschäftigung gehören in diesen Ländern zunehmend der Vergangenheit an, so scheint es.

Doch des einen Leid, ist des anderen Freud, wenn man so will: von den Krisen der westlichen Welt profitierten viele asiatische Länder wie China oder Indien, deren Wirtschaftswachstum in schwindelerregende Höhen stieg sowie Reichtum und Wohlstand für viele Menschen brachte. Das Märchen von den Schwellen- und Entwicklungsländern scheint es nicht mehr länger zu geben, die altbekannte (wirtschaftliche) Weltordnung ist ins Wanken geraten. Auch diesem Aspekt versucht der Film auf den Grund zu gehen. Denn dass Reichtum, Luxus und materielle Vielfalt immer auch auf Kosten anderer gehen, der ohnehin Schwachen und Armen nämlich, macht auch "I want to see the manager"", der übrigens völlig auf eine einordnende Voice-Over-Kommentierung verzichtet, nachdrücklich deutlich.

Und er tut dies stilecht mit wirkungsvollen optischen Elementen, wenn etwa ganz zu Beginn des Films das nahe Beieinander von Armut und Reichtum ganz unmittelbar deutlich wird: während ein indischer Broker fast emotionslos eine Abhandlung über die jüngste Entwicklung der Weltwirtschaft seit der Finanzkrise bietet und über die zunehmenden wirtschaftlichen Wachstumsraten solcher Länder wie Indien referiert, sieht man im Hintergrund immer deutlicher die verdreckten Armut-Slums der Millionenmetropole Mumbai, die so gar nichts vom Aufschwung mitbekommen.

"I want to see the manager" steckt voller solcher Symbolträchtigkeit sowie nachdrücklichen Aufnahmen und spielt immer wieder mit übersichtlichen Totalen und Nahaufnahmen. Zudem überzeugt die Themenvielfalt und das breite inhaltliche Spektrum der sieben facettenreichen Episoden in den verschiedensten Teilen der Welt, die doch unmittelbar miteinander verknüpft sind und zusammenhängen. Von Leichtmetallfunden im bolivianischen Uyuni, die die Arbeiter endlich von ausländischen Firmen und Großinvestoren unabhängig machen könnte, über Alzheimer-Patienten aus Europa, die ihre letzten Lebensjahre in Thailand verbringen bis hin zur Frage, warum der höchste Wolkenkratzer in Caracas in Händen von Hausbesetzern ist, anstatt Anzug tragende Manager und Wirtschaftsjongleure zu beherbergen.

Fazit: Komplexe, tiefgründige und zu jeder Zeit aufschlussreiche sowie spannende Doku über die Zusammenhänge von Wohlstand, Armut und globaler Wirtschaft in unterschiedlichen Regionen der Welt.






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