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SPLITTER Afghanistan
SPLITTER Afghanistan
© Basis-Film

Kritik: SPLITTER Afghanistan (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Titel ist Programm für diesen Dokumentarfilm, der aus lauter flüchtigen Begegnungen und Eindrücken besteht. Nicht nur die Städte Afghanistans liegen nach über 30 Krieg in Trümmern. Aus den Splittern alter Kunstwerke versuchen Museumsrestauratoren wieder mühselig ein Ganzes zu rekonstruieren. Und die amputierten Patienten im Orthopädischen Zentrum von Kabul lernen, mit Hilfe von Prothesen wieder zu gehen. Der Dokumentarfilm von Helga Reidemeister beobachtet mit Sympathie und Bewunderung, wie gefasst die Versehrten ihr Schicksal annehmen.
Reidemeister und ihr kleines Filmteam sind politisch engagierte Beobachter. Sie wollten ein Zeichen setzen gegen den "Krieg gegen den Terror", der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 das Land heimsuchte. "SPLITTER Afghanistan - Wie kann ich Frieden denken" ist quasi der Abschluss einer Trilogie, zu der auch Reidemeisters Dokumentarfilme "Texas – Kabul. Frauen gegen Krieg" und "Mein Herz sieht die Welt schwarz – Eine Liebe in Kabul" gehören. Der Film zeigt zunächst Impressionen von der Zerstörung im Land. Reidemeister sagt in ihrem Voice-Over-Kommentar, dass Afghanistan das am stärksten verminte Land der Welt sei. Jeden Tag forderten die Minen zwölf neue Opfer. Den vielen beinamputierten Kindern, aber auch den versehrten Erwachsenen neue Hoffnung zu geben, ist das Ziel des italienischen Physiotherapeuten Alberto Cairo, der das Orthopädische Zentrum in Kabul leitet. Seine Mitarbeiter sind überwiegend selbst Versehrte, die während ihrer langen Rehabilitation im Zentrum zu Helfern für andere Patienten ausgebildet wurden.
Die Kamera betrachtet oft reglos die Szenerie, um die Atmosphäre einzufangen. Das Lächeln und der Stolz der Patienten, wenn sie sich anstrengen, mit den Krücken und Prothesen umzugehen, machen Worte überflüssig. Besonders beeindruckt, wie freudig die Patienten auch die immateriellen Angebote im Zentrum annehmen und zum Beispiel lesen und schreiben lernen. Wenn Reidemeister wiedergibt, was sie in vielen Gesprächen über die Mentalität der Einheimischen erfuhr, dann wirkt das ähnlich bruchstückhaft und fragend wie die Bilder selbst. Aus ihren nachdenklichen Worten spricht auch Fremdheit und Betroffenheit: So resümiert sie recht bitter, wie sich das Klima gegenüber Ausländern im Land verschlechtert habe. So schwierig der Wiederaufbau und die politische Neuordnung des Landes auch sein mögen – der gutgemeinten und zum Teil auch dringend nötigen Hilfe aus dem Westen scheinen jedenfalls Grenzen gesetzt.
Fazit: Die Impressionen eines deutschen Dokumentarfilmteams, das Afghanistan bis 2011 wiederholt bereiste, zeugen von der ungebrochenen Lebenskraft der vom Krieg geschundenen und versehrten Menschen. In stillen Beobachtungen fängt der nachdenkliche Film auch das Engagement und die Aufbauarbeit am Orthopädischen Zentrum in Kabul ein.




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