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The Girl King
The Girl King
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Kritik: The Girl King (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das bewegte Leben der unkonventionellen Herrscherin Kristina von Schweden war bereits mehrfach Stoff fürs Kino. Malin Buska, die die Monarchin in Mika Kaurismäkis hochkarätig besetztem Historiendrama "The Girl King" spielt, muss sich mit so namhaften Vorgängerinnen wie Greta Garbo und Liv Ullmann messen, reicht bei allem Talent jedoch nicht an deren Leinwandpräsenz heran. Während ältere Verfilmungen mit der historischen Figur nur wenig zu tun hatten, ist "The Girl King" trotz aller Freiheiten deutlich näher an den Fakten.

Kaurismäki ("Zombie und die Geisterbahn", "L.A. Without a Map") inszeniert seine Hauptfigur als selbstbewusste Frau, die sich einen freien Willen bildet, als dieser in den Schriften René Descartes gerade erst postuliert wurde. Wie jeder (Historien-)Film sagt auch "The Girl King" nicht nur etwas über die Zeit aus, in der er spielt, sondern auch über die, in der er entstanden ist. Konnte Rouben Mamoulian in "Königin Christine" das Verhältnis zwischen Königin und Kammerzofe 1933 lediglich andeuten, zeigt Kaurismäki acht Jahrzehnte später deren Liebe offen. Und wenn der Sohn des Reichskanzlers (Lucas Bryant) eine Klage über die Frauen anstimmt, die Hosen trügen, während die Männer zu Eunuchen verkämen, ist dessen mittelalterliches Denken manch heutigem Kritiker der Emanzipation näher, als diesem lieb sein mag.

Mika Kaurismäki bleibt nah an seiner Protagonistin, an ihrem Kampf zwischen Pflichterfüllung und persönlicher Freiheit und an den Konfliktlinien widerstreitender Mächte und Weltbilder. In seiner Konzentration auf die Hauptfigur kommen die Nebenfiguren deutlich zu kurz. Auch visuell gibt "The Girl King" nicht viel her, ist kein opulentes Kostümdrama. Kaurismäki inszeniert mit beschränkten Mitteln, setzt mehr auf ebenso feinsinnige wie scharfzüngige Dialoge denn auf Überwältigungskino. Die Dialoge sitzen. Formal bleibt "The Girl King" – auch angesichts des Themas – jedoch zu bieder, hakt die einzelnen Stationen dieses bewegten Lebens nur ab, anstatt sie überzeugend mit Leben zu füllen.

Fazit: Trotz einiger Spekulation kommt Regisseur Mika Kaurismäki Königin Kristina in seinem Drama historisch deutlich näher als mancher Vorgänger. "The Girl King" überzeugt durch eine starke weibliche Hauptfigur, von der Frauen und Männer auch heute noch etwas lernen können. Gemessen am Inhalt bleibt die Inszenierung allerdings recht bieder.




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