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Kritik: Striche ziehen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Striche ziehen" konfrontiert alle Beteiligten mit den Vorfällen von damals, beleuchtet das Thema von verschiedenen Standpunkten aus und entwirft ganz nebenbei auch ein realistisches Bild von der Weimarer Punk- und Hippie-Szene. Mit Hilfe von seltenen Originalfotos sowie spannenden Bewegtbildern, macht er die Aufbruchsstimmung der Subkultur-Szene deutlich. Als besonders intensiv gestalten sich die langen Gespräche vor allem mit Jürgen Onißeit, mittlerweile als Kletterlehrer in der Prignitz tätig, der seine Zusammenarbeit mit der Stasi heute als "größten Fehler seines Lebens betrachtet". Als junger, werdender Vater mit finanziellen Problemen habe er das ihm von der Stasi als Gegenleistung angebotene Geld einfach gebraucht.

Regisseur Kroske lässt aber auch die Gegenseite ausführlich zu Wort kommen so z.B. Grenzaufklärer a.D. Wolfgang Fittings, der damals an der Festnahme von Hasch beteiligt war. Kroske besuchte auch den ehemaligen Stasi-Leutnant a.D. Dietmar Reinicke, doch dieser wollte kein Interview geben und schickte Kroske wieder weg, lautstark und ohne dabei selber im Bild zu sein. Lediglich zu hören ist das Gebrüll von Reinicke im Hintergrund. Es sind diese unmittelbaren, ungeschminkten Reaktionen und Situationen, die "Striche ziehen" so stark machen und an denen Kroske auch den Zuschauer teilhaben lässt. Eine der interessantesten Momente spielt sich dann am Ende des Films ab, wenn es zur ersten Begegnung der Brüder Jürgen und Thomas Onißeit seit langer Zeit kommt. Ein finales Aufeinandertreffen, das anders verläuft als geplant und nachhaltig offen legt, dass das Geschehene von damals noch immer das Leben aller Beteiligten durchzieht und bedeckt - wie ein langer, weißer Strich.

Fazit: Unmittelbare, ungeschminkte Dokumentation mit spannenden Archivaufnahmen, die eine der berühmtesten Maueraktionen ausführlich und hochspannend darstellt.





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