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Zero Motivation
Zero Motivation
© Zeitgeist Films

Kritik: Null Motivation (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Null Motivation" ist der Langfilmdebütantin Talya Lavie ein reizvoller Mix aus Satire und coming-of-age-dramedy gelungen, welcher zu Recht mit zahlreichen Preisen (etwa als Best Narrative Feature auf dem Tribeca Film Festival) bedacht wurde. Die 1978 in Israel geborene Drehbuchautorin und Regisseurin versieht ihre Geschichte über eine junge Frauengruppe in einem Wüsten-Stützpunkt der israelischen Armee mit äußerst schwarzem, gelegentlich absurdem und manchmal gar surrealistischem Humor, der den Vergleich mit Subgenre-Klassikern wie "Catch-22" oder "M.A.S.H." keineswegs scheuen muss. Die Kamera des versierten Bildgestalters Yaron Scharf ("Yossi & Jagger – Eine Liebe in Gefahr") fasst den Schauplatz in passende Aufnahmen, die die Monotonie spürbar machen.

Das in drei Kapitel unterteilte Werk schildert den aus Kaffeezubereitung, Aktenbearbeitung und Papierentsorgung bestehenden Büroalltag in der Militärbasis in all seiner Banalität, aber auch all seinem Irrwitz und bringt dabei einige herrlich-skurrile Momente hervor – beispielsweise wenn der nächtliche Auftrag, das unnötige Papier bis zum nächsten Morgen aus dem Raum zu entfernen, zu einer (allzu) umfassenden Schredder-Aktion sowie einer sehr fiesen Überraschung für die strenge Auftraggeberin führt. Bemerkenswert ist, dass diese unterhaltsamen Passagen im Stil einer schrägen Arbeitsplatz-Komödie überaus stimmig mit ernsteren Themen verbunden werden. Rama, die von Shani Klein gespielte, verantwortungsbewusste Vorgesetzte der extrem unmotivierten Truppe, ist in ihrem Versuch, beruflich aufzusteigen, eine tragikomische Figur: Die pflichtdienstleistenden Frauen bringen ihr kaum Respekt entgegen – und auch von den männlichen Offizieren wird Ramas Engagement nicht ausreichend gewürdigt. Der Auftritt von Yonit Tobi als Neue im Stützpunkt nimmt indes eine unerwartete Wendung und hat einen bizarr-übersinnlichen Nebenstrang zur Folge, der in eine treffende Pointe mündet.

Dana Ivgy und Nelly Tagar bilden als Zohar und Daffi ein wunderbares Freundinnen-Duo. Während Ivgy eine Slacker-Figur verkörpert, deren Lethargie von Computerspiel-Ambitionen und Sabotageakten auf lustige Weise unterbrochen wird, gibt Tagar mit Hingabe eine hoffnungslose Träumerin, die sich in High Heels durch die urbanen Straßen von Tel Aviv laufen sieht und deshalb zu allem bereit ist, um der öden Tätigkeit in der Wüste zu entkommen.

Fazit: Talya Lavie blickt gekonnt-satirisch auf den Bürokratie-Wahnsinn beim Militär und liefert zugleich interessante, überzeugend interpretierte Frauenporträts.





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