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Focus on Infinity - Griff nach den Sternen
Focus on Infinity - Griff nach den Sternen

Kritik: Focus on Infinity - Griff nach den Sternen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wenn theoretische Physiker und Astronomen über den Ursprung des Universums und über seine wahre Beschaffenheit sprechen, klingt das oft merkwürdig desillusioniert. Die einen verweisen darauf, dass man wohl nie restlos aufklären werde, was zum Zeitpunkt des Urknalls geschah oder welchem Gesetz die Dynamik des Weltalls folgt. Andere sprechen darüber, dass die Entdeckung immer kleinerer Teilchen und ihrer Wechselwirkungen unsere Vorstellung von der Natur der Dinge komplett übersteigt. Insofern spielt die menschliche Tragik eine Hauptrolle in diesem philosophisch-essayistischen Dokumentarfilm. Sollten die Neugier und Intelligenz des Menschen nur dazu gut gewesen sein, ihm seine Grenzen aufzuzeigen und mit seinem Außenseitertum auf der Welt zu konfrontieren? Der österreichische Künstler und Filmemacher Joerg Burger unternimmt eine Expedition in unwirtliche Regionen, in denen geistige Höhenflüge und Wüstenstaub, Aberwitz und Scheitern eine Einheit zu bilden scheinen.

Die inhaltlichen Themen des Films muten wie die Bilder oft endzeitlich an und die Aussagen der Befragten sind von unterschiedlicher Qualität und Relevanz. Dennoch gibt es darunter hochinteressante Fundstücke. An der Person des ehemaligen Direktors der Vatikanischen Sternwarte in Arizona, George V. Coyne, fasziniert schon seine Doppelfunktion als Geistlicher und Naturwissenschaftler. Vermutlich wussten viele gar nicht, dass sich der Vatikan so konkret an der Erforschung des Weltraums beteiligt. Coyne erklärt sehr spannend, wo sich naturwissenschaftlicher Erkenntnisdrang und religiöse Motivation berühren können. Anregend sind auch die Aussagen des britischen königlichen Astronomen Sir Martin Rees. Er glaubt, dass die Funktionsweise des menschlichen Gehirns, aber auch die eines Insekts, im Grunde komplizierter ist, als der Kosmos und die Mikropartikel.

Von den Bildern des Films geht eine starke Suggestivkraft aus. Die meistens statische Kamera bevorzugt die Totalen, fahndet nach der Atmosphäre verwaist wirkender Schauplätze – Teleskope in der Wüste, ehemalige Industrie- und Gewerbegebiete, Räume voller Computertechnik. Das alles wirkt freudlos, besorgniserregend, gelegentlich sogar absurd. Leider werden nicht alle Gesprächspartner im Bild gezeigt und man schafft es manchmal nicht, die Off-Stimmen den Namen zuzuordnen, die an früherer Stelle eingeblendet wurden. Trotz dieser Mängel aber hinterlässt der stilistisch eigenwillige Film einen starken Eindruck. Seine Stimmung hallt lange nach und verleiht den provokanten philosophischen Thesen seiner Experten emotionales Gewicht.

Fazit: Die Erkenntnisse der Astronomie und Physik über die Beschaffenheit der Welt bringen die Menschen an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft: Der essayistisch-philosophische Dokumentarfilm von Joerg Burger unterlegt die eher pessimistischen Thesen von Wissenschaftlern mit atmosphärisch starken Bildern, die von Einsamkeit und Vergänglichkeit zeugen.




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