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Silentium - Vom Leben im Kloster
Silentium - Vom Leben im Kloster
© mindjazz pictures

Kritik: Silentium - Vom Leben im Kloster (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Es sieht fast so aus, als würde das schwäbische Benediktinerinnenkloster Habsthal bald schließen müssen. Einst beherbergte es 40 Ordensschwestern, nun kann man die Nonnen an einer Hand abzählen. Gemeinsam mit dem weißhaarigen Pater Pius beten sie vor den gemeinsamen Mahlzeiten, besuchen die tägliche Andacht in der Kapelle. Dazwischen wird gearbeitet, im Garten, im Büro, in der Nähstube, der Wäscherei. Der auf der Schwäbischen Alb aufgewachsene Filmemacher und Schriftsteller Sobo Swobodnik beobachtet den durchgetakteten Alltag im Kloster, in dem die Bewohner unbeirrt gegen den Strom der Zeit zu schwimmen scheinen.

In seinem vorigen Dokumentarfilm "Unplugged: Leben Guaia Guaia" war Swobodnik mit zwei jungen Straßenmusikern permanent auf Achse, nun beschränkt sich der Blick der Kamera bis auf wenige Außenaufnahmen auf die Räume des abgeschieden gelegenen Klosters. Die Atmosphäre wird bestimmt von der Leere, die beispielsweise auf den langen Fluren herrscht. Der größte Trubel entsteht, wenn eine Schwester die kleine Glocke läutet und darauf zwei andere alte Frauen – eine mit einem Rollator – aus ihren Zimmern kommen. Überall schlägt diesen Übriggebliebenen Verlassenheit entgegen, auch in der Kapelle, wo ihre Lesungen und Gebete oft von der Einsamkeit und inneren Not erzählen. Bei den Mahlzeiten wird nicht gesprochen, bei der Arbeit ist jede allein.

Die Kamera beobachtet die Schwestern im Büro, auf ihren Zimmern, in der Nähstube oder beim Mangeln. Wenn sie dann unvermittelt ein wenig zu erzählen beginnen, klingen sie erstaunlich unbeschwert. Eine von ihnen sagt, sie sei 90 Jahre alt. Es gelingt ihr nur mit Mühe, das Nähgarn einzufädeln. Wo sich beim Zuschauen öfter die Frage nach dem Sinn dieser disziplinierten Tagesroutine stellt, scheint sie den genügsamen, aber so gar nicht bedrückten Mitgliedern selbst fremd zu sein. Man siezt sich – trotz des jahrzehntelangen Zusammenlebens. Die Stille und die Distanz können aber auch durchbrochen werden, für Scherze beim gemeinsamen Brettspiel zum Beispiel.

Der Film weckt Sympathien für die Ordensleute, obwohl er einen Blick für das Skurrile hat. Die Bildausschnitte sind meistens sehr eng und auch inhaltlich scheint man eher durch ein Guckloch zu spähen, denn die drängenden Fragen nach der Zukunft bleiben – so die Aussage einer Schwester - "in Gottes Hand". Der eingeschränkte Blick des Filmemachers wirkt ausgesprochen subjektiv. So erfährt man längst nicht alles, was interessant gewesen wäre, auf jeden Fall aber, dass diese alten Frauen über die Gelassenheit und die Lebenseinstellung verfügen, die sich viele moderne Menschen mühsam anzutrainieren versuchen.

Fazit: Der Dokumentarfilm über ein Kloster in Oberschwaben, in dem nur noch ein paar zum Teil hochbetagte Ordensschwestern und ein Pater leben, zeigt in meditativen Bildern eine Insel der Ruhe im Strom der Zeit. Die unbeschwerte Haltung der Menschen, die als Rädchen in einem untergehenden Betrieb funktionieren, verblüfft und beeindruckt.




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