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Kritik: Men & Chicken (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der vierte Film des dänischen Regisseurs Anders Thomas Jensen ("Adams Äpfel") ist wieder herrlich skurril geraten. Die Komödie schwankt heftig zwischen makabrer Horrorfantasie und einem Humor, der sich aus Slapstick und menschlichen Unzulänglichkeiten speist. Die fünf Halbbrüder, um die es geht, scheinen auf mysteriöse Weise Opfer der genetischen Versuche ihres Vaters zu sein, denn sie haben alle Hasenscharten und ihre jeweiligen Mütter sollen im Kindbett gestorben sein. Außerdem sind Elias, Franz, Josef und Gregor schwer verhaltensgestört und emotional zurückgeblieben, ohne so recht zu wissen, warum. Nur Gabriel hat es zu einer geregelten Existenz in der Außenwelt gebracht, aber auch er führt kein glückliches Leben.

Nichts ist zu abwegig, um in diese unglaublich fantasievolle Geschichte Eingang zu finden. Allein schon die vielen Macken, über welche die fünf Halbbrüder verfügen, werden in den schillerndsten Farben ausgemalt. Elias muss alle paar Minuten masturbieren – der Ärmste gerät in der Nähe einer Frau sofort in Wallung, aber sein aufbrausendes, vollkommen kindliches Temperament verhindert, dass er je zum Zuge kommt. Im Haus, in dem Franz, Josef und Gregor seit ihrer Kindheit leben, geht es drunter und drüber. In den Zimmern leben Hühner und Schafe und beim Essen schlagen sich die erwachsenen Männer plötzlich die Köpfe ein, weil sie um einen bestimmten Teller streiten. Es gibt viel Unappetitliches, das genüsslich serviert wird, aber es fällt auch auf, wie sympathisch die skurrilen Charaktere gezeichnet sind. Sie sehnen sich mit rührender Hilflosigkeit danach, normal zu sein. Mads Mikkelsen, der in allen Filmen von Anders Thomas Jensen mitspielte, ist mit Lockenkopf und Schnurrbart kaum wiederzuerkennen – eine komplett groteske, aber auch sehr empfindsame Figur.

Der Film hat viele Zutaten eines echten Horrorfilms: ein einsames altes Sanatorium auf einer Insel, auf der selbst die Tochter des Bürgermeisters ein paar ernsthafte Macken hat, einen Keller mit schaurigen Geheimnissen, überall Zeichen des Verfalls und einer Vergangenheit, die die Charaktere gefangen hält. Und die Entdeckungen, die auf Gabriel, Elias und die Zuschauer warten, haben es in sich. Aber das Schreckliche wird abgemildert durch den Familiensinn der fünf Halbbrüder, ihre Erfahrung, sich gegenseitig Halt zu geben. So durchzieht die wilde Geschichte ein optimistischer, warmer Ton. Zuschauer, die abwegige, richtig schräge Geschichten mögen, kommen hier voll auf ihre Kosten.

Fazit: Die Komödie von Anders Thomas Jensen tanzt mit ihrem Reichtum an makabrer Fantasie und skurrilen Überraschungen kräftig aus der Reihe normaler Kinounterhaltung. Ihr Hang zum Morbiden wirkt eher spannend als abstoßend und sie begleitet ihre vom Schicksal gebeutelten Charaktere mit viel Sympathie.





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