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Österreich: Oben und Unten*
Österreich: Oben und Unten*
© Lisa Film

Kritik: Österreich: Oben und Unten* (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieses Album bewegter Bilder huldigt mit seinen atemberaubenden Panoramen geradezu unverschämt der Schönheit Österreichs. Insofern kann der Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Joseph Vilsmaier, der seine Heimat 2012 in "Bavaria – Traumreise durch Bayern" bereits in ähnlicher Weise auf ihre weltbekannten Schauwerte hin abklopfte, auch für die touristische Werbung der Alpenrepublik genutzt werden. An dieser Besichtigungstour der stets in eleganter Bewegung befindlichen Kamera kann man sich nämlich kaum sattsehen.
Wie in die Kategorie der "Von oben"-Dokumentarfilme üblich, stellt auch der Off-Sprecher atmosphärisch einen Bezug zur Region her, indem er die Mentalität seiner Bewohner spiegelt. Die Österreicher, besonders die Wiener, gelten ja als ironiebegabt, wobei der Humor keine Berührungsängste mit dem Unvorteilhaften, Tristen und Morbiden kennt. So kommt es, dass der ironisch-launige Text von Georg Mayrhofer, den der Schauspieler Michael Niavarani spricht, die visuelle Schönheit spannend kontrastiert. Wenn beispielsweise ein Open-Air-Spektakel am Neusiedler See im Bild ist, spricht Niavarani von einer "Gelsenplage biblischen Ausmaßes". Und wenn die fliegende Kamera in der Hauptstadt ankommt, meint der Sprecher: "Es heißt, man soll den Weltuntergang in Wien erleben, weil dort alles zehn Jahre später stattfindet." Auch wenn es nur um schlichte historische oder statistische Information geht, fehlt den Worten stets das Salbungsvolle.

Der Reihe nach werden alle Bundesländer vorgestellt, mit ihren jeweiligen landschaftlichen und historischen Besonderheiten. Der Film hat eine starke Affinität für barocke Kirchen und Klöster, was man ein wenig redundant finden kann. Krude Motive wie die Stahlproduktion der Voestalpine bleiben die Ausnahme und auch Szenen aus dem Alltagsleben werden nicht gerade intensiv gesucht. Die dynamischen Aufnahmen werden stilvoll mit Überblendungen montiert. Beim Rundflug über das Steinerne Meer, den Großglockner und die idyllisch von Wald gesäumten Badeseen kann man verstehen, warum der Alpenbarde Hubert von Goisern vom ersten Rohschnitt des Films so begeistert war, dass er beschloss, die Musik beizusteuern. So besteht der Soundtrack hauptsächlich aus bekannten Goisern-Liedern, die von Robert Opratko ein neues orchestrales Arrangement verpasst bekommen. Unaufdringlich, aber dennoch von hypnotischer Ausdruckskraft, fügen sie dem Film akustisch eine Qualität hinzu, die der seiner Schauwerte entspricht.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Regisseur Joseph Vilsmaier huldigt der Schönheit Österreichs mit eindrucksvollen, dynamischen Aufnahmen nicht nur aus der Vogelperspektive. Der Bildgenuss wird durch einen ironisch-nüchternen Sprecher-Kommentar und die hypnotische Filmmusik von Hubert von Goisern wirkungsvoll ergänzt.





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