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True Love Ways
True Love Ways
© Grand Hotel Pictures

Kritik: True Love Ways (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Erotikthriller des Regisseurs und Drehbuchautors Mathieu Seiler ist eine düstere Fantasie über sexuelle Lust und Gewalt. In stilvollem Schwarz-Weiß gedreht, vermischt der Film aus der Perspektive der Hauptfigur Séverine Wirklichkeit und Vorstellungswelt. Gleichzeitig inszeniert er die blonde junge Frau als Objekt männlicher Begierde und dabei als potenzielles Opfer, das um sein Leben kämpfen muss. Séverine erscheint wahlweise als mädchenhafte Unschuld oder lasziver Vamp, der es den bösen Männern heimzahlt. Wegen seiner irritierenden Gedankenwelt ist der Film trotz der ausgefeilten, ästhetischen Gestaltung nur etwas für Fans dunkler Erotikstoffe.

Ihr jungenhafter Freund ist Séverine zu langweilig. Sie sagt ihm, sie habe sich in einen Mann aus einem Traum verliebt. Vielleicht aber ist die introvertierte, schweigsame Frau auch eine Gefangene ihrer Albträume, womöglich gar ein Opfer sexuellen Missbrauchs. Ein seltsames Foto in ihrer Wohnung, auf dem sie als Kind im Brautkleid neben einem Mann steht, dessen Kopf nicht zu sehen ist, lädt zu wilden Spekulationen ein. Sie muss sich manchmal den Bauch vor Unwohlsein halten, oder sie sieht ein Zimmer, in dem eine alte Wanduhr tickt und das Weinen einer Frau zu hören ist. Vielleicht spielt der Film auch nur mit den Fantasien des Zuschauers, mit Klischees über weibliche Figuren, die seit dem Märchen von Rotkäppchen die Gefahr geradezu mutwillig und wider besseres Wissen anlocken. Séverine ist überall in Gefahr und setzt dem nur ihre zur Schau getragene Naivität, die eigene Schutzlosigkeit entgegen. Wenn sie die Treppen zur furchteinflößenden Villa am Waldrand hochgeht, sieht sie aus wie eine Frau, die ausdrücken will, tut mir nichts, ich bin ja noch ein Kind! So verwundert es nicht, dass sie sich drinnen unter Bett und Tisch versteckt.

Stilistisch ist der Film sehr interessant: Mit Rätseln und skurrilen Elementen, mit Visionen, die wahr werden, regt er die Fantasie des Betrachters an und schafft eine zeitlose, traumwandlerische Atmosphäre. Es gibt uralte Telefone mit Wählscheiben, Musikkassetten, aber auch Smartphones – als könnte sich diese Handlung immer wieder ereignen. Die Kamera flirtet intensiv mit Séverine, ihrem Haar, ihrem Ohr, ihrem Blick und ihrer Körperhaltung. Die späteren Splatterszenen setzen dazu einen starken Kontrast. Die Grenze zwischen Lust und Verbrechen, erlaubter Fantasie und tabuisierter Perversion verwischt sich. Das Hauptmotiv dieser ausdrucksstark gestalteten Märchenstunde, nämlich dass die Frau als Objekt männlicher Sex- und Gewaltfantasien dient, ist gleichzeitig auch ihr Problem.

Fazit: Der in stilvollem Schwarz-Weiß gedrehte Film mischt schwüle Erotik mit blutigem Horror und inszeniert die weibliche Hauptfigur als Sexsymbol, das entweder gejagtes Opfer oder Rächerin ist. Die traumwandlerische Atmosphäre und die ausgefeilte visuelle Gestaltung regen die Fantasie an, aber die Handlung lenkt sie in Bahnen, die sicher nicht jeder beschreiten mag.





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