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Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder
Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder
© Gmfilms

Kritik: Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Leben in einem Altenheim stellen sich Außenstehende in der Regel ziemlich schlimm vor: Sie denken an apathisch wirkende Menschen, die den ganzen Tag auf Fluren herumsitzen. Oder an überlastete Pflegekräfte, die keine Zeit für ein persönliches Gespräch haben. Dass es auch anders geht, zeigt der Dokumentarfilm, mit dem die Fernsehjournalistin Claudia Funk ihr Kinodebüt gibt: Er beobachtet den Alltag in einem kleinen, familiär geführten Heim im rumänischen Siebenbürgen, wo Angehörige der deutschen Minderheit in einer Art Wohngemeinschaft zusammenleben. Sie bleiben aktiv, so lange sie können und wollen: Viele von ihnen arbeiten in der hauseigenen Landwirtschaft mit, die der Selbstversorgung dient und über 30 Prozent der Betriebskosten erwirtschaftet.

Der Titel des Films ist ein Spruch, den der stets zu Scherzen aufgelegte Heimbewohner Lorenz Auner beisteuert. Der 75-Jährige hilft beim Melken der Kühe. Johann Klatt ist bereits 83, aber er hütet jeden Tag die Schafe. Im Sommer fahren der Heimleiter und einige Bewohner gemeinsam das Heu ein. Man sieht es vielen der alten Menschen an, dass sie ein schweres Leben hatten, und wenn manche ein wenig von früher erzählen, ist von familiärer Not, Krankheit, Plackerei und Alleinsein die Rede. Nicht jeder bekommt eine Rente und die meisten haben kein Geld für Zahnersatz oder ein Hörgerät. Aber dennoch wirken sie zufrieden. Die Kamera beobachtet die Bewohner bei der Arbeit, folgt ihren Unterhaltungen, wenn sie vor dem Haus sitzen und ist dabei, wenn vor dem Essen das Tischgebet gesprochen wird. Hier läuft das Leben noch gemäß der dörflichen Tradition ab, die draußen im Aussterben begriffen ist.

Die Ruhe und Geborgenheit, die die liebliche Landschaft und das gemächliche, aber abwechslungsreiche Treiben auf dem Hof ausstrahlen, werden sinnlich spürbar. Die Biografien der einzelnen Menschen ergäben sicher Stoff für einen eigenen Film, die siebenbürgischen Traditionen ebenfalls. Auch hätte man gerne mehr darüber erfahren, wie die Sachsen, die untereinander Dialekt sprechen, mit dem rumänischen Personal zurechtkommen und umgekehrt. Vor allem aber faszinieren diese Selbstverständlichkeit, mit der die Bewohner in den Alltag eingebunden sind, und ihre Eigeninitiative. Hinter diesem Miteinander von Personal und Bewohnern steht sicherlich ein Konzept, das nähere Betrachtung verdient, weil es sich auch für das eine oder andere Altenheim in Deutschland anbieten könnte.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Claudia Funk beobachtet den Alltag in einem familiär geführten Altenheim für Siebenbürger Sachsen auf dem rumänischen Land. Die nicht nur von Muße, sondern auch von Arbeit in Haus- und Landwirtschaft geprägte Tagesstruktur wird von den Bewohnern gerne angenommen. Die Impressionen von diesem naturnahen Leben in einfachen Verhältnissen strahlen eine tiefe Zufriedenheit aus. Ähnliche Wohnformen wären vielleicht auch in Deutschland für Menschen attraktiv, die bis zuletzt aktiv bleiben wollen.





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