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Kritik: Fassbinder (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Rainer Werner Fassbinder gilt vielen als der bedeutendste deutsche Regisseur der Nachkriegszeit. Der Theater- und Filmregisseur verband eine schier unglaubliche Kreativität mit dem Charisma eines Künstlers irgendwo zwischen Rimbaud und Rockstar. In nur 37 Jahren verbrannte er sein Leben und erschuf in nur 14 Jahren einen weitaus größeren quantitativen und qualitativen Output als fast alle seiner Kollegen in einer ganzen Lebenszeit. Fassbinder war ein sanfter Rebell, ein Ekel und ein Bürgerschreck. Deshalb ist es wahrscheinlich unmöglich einen Film über diesen Künstler zu machen, der nicht mehr oder weniger interessant ist.

Annekatrin Hendel konzentriert sich in ihrer Dokumentation auf Interviews mit Fassbinders einstigen Wegbegleitern, die ihre liebsten Anekdoten zum Besten geben. Zwischendurch kommt Fassbinder in altem Archivmaterial auch immer wieder selbst zu Wort. Gezeigt wird Fassbinders künstlerischer Weg von seinen Anfängen beim Theater bis hin zu jedem einzelnen seiner Filme. Da 90 Minuten aber absolut zu wenig sind, um wirklich alle Filme Fassbinders vorzustellen, werden die weniger wichtigen Werke nur anhand von Titeleinblendungen im Schnelldurchlauf erwähnt. Dieses Verfahren erscheint umso befremdlicher, als diese Passagen stets von der gleichen dröhnenden Rammstein-Musik "untermalt" werden.

Auch ansonsten erweckt Annekatrin Hendels Portrait eines der wichtigsten deutschen Filmkünstler den Eindruck einer unter Zeitdruck lieblos heruntergekurbelten Auftragsarbeit. Fast der gesamte Film besteht aus Standard-Interviematerial, die wenigen vorhandenen inszenatorischen Einfälle wirken eher gewollt, als gekonnt und jede weitere Einbettung von Künstler und Werk in einen größeren historischen, gesellschaftlichen oder auch nur kulturellen Kontext glänzt im wesentlichen durch Abwesenheit. Kein Wort dazu, was vor Fassbinder in der alten Bundesrepublik filmischer Usus war, kaum ein Wort zu der Bewegung des Neuen Deutschen Films oder dem gesellschaftlichen Kontext der Themen von Fassbinders Filmen zu ihrer Zeit.

Dafür erfährt man so manches über Fassbinders laxes Verhältnis zum Fiskus, sein gezieltes Quälen seiner Schauspieler, seine Affären zu Männern und Frauen und seinem Drogenkonsum. Besonders genau hingeguckt wird auch immer dann, wenn einer von Fassbinders Geliebten und am Ende Fassbinder selbst auf eher unschöne Weise das Zeitliche segnen.

Fazit: "Fassbinder" ist ein kolportagehaftes und schnell zusammengeschustertes Portrait des Ausnahmekünstlers, das mehr Anekdoten, als Informationen bietet.





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