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Singapore Sling
Singapore Sling
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Singapore Sling (1990)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es gibt nur wenige Filme, die einen derart abenteuerlichen stilistischen Mix bieten, wie Nikos Nikolaidis Skandalfilm "Singapore Sling" (1990). Von seiner Machart her gibt es nichts, das verrät, dass der Film fast ein halbes Jahrhundert nach Otto Premingers Noir-Meisterwerk "Laura" entstanden ist. Das Format beider Filme ist das ehemals klassische 4:3. Beide Werke bieten fein austarierte Bildkompositionen und starke, aber sehr bewusst gesetzte Hell-Dunkel-Konstraste innerhalb des Schwarzweißbildes. Selbst die Musik wurde in "Singapore Sling" aus "Laura" übernommen. Von seiner technischen Seite her ist Nikos Nikolaidis Hommage ein subtiles Gebilde für feinfühlige Schöngeister.

Allerdings sollte man für die Betrachtung von "Singapore Sling" einen gesunden Magen mitbringen. Denn spätestens bei Szenen, wie der halben Vergewaltigung des Detektivs mit vollem Erbrechen in dessen Gesicht hinein, dürfte für viele Zuschauer der Spaß zu ende sein. Die beeindruckend lange Liste der hier gebotenen Anomalien und Perversionen beinhaltet Dinge wie Bondage, Fetischismus, Inzest, Natursekt, Nekrophilie, Sadomasochismus, die weibliche Selbstbefriedigung mit einer Kiwi und mehr. Deutlich ist die Inspiration durch Skandalfilme der 70er-Jahre wie "Das große Fressen" (1973), "Die 120 Tage von Sodom" (1975) und "Im Reich der Sinne" (1976) zu erkennen.

Bereits diese Kombination aus edelster klassischer Film noir Ästhetik und abartigem perversen Exzess dürfte ein Alleinstellungsmerkmal von "Singapore Sling" sein. Aber endgültig jenseitig wird der Film erst durch seinen komödiantischen Tonfall - zumal der sich weniger dem trockenen schwarzen Humor zugewandt zeigt, als dem ausgelassenen schenkelklopfenden Slapstick. So bestand die ursprüngliche Intention des Regisseurs dessen eigener Aussage zufolge darin "eine Komödie mit Elementen der antiken griechischen Tragödie zu erschaffen."

Das tatsächlich vorliegende Ergebnis weckt jedoch eher den Eindruck, als hätten die Monthy Pythons über eine längere Zeit hinweg Film noirs geguckt, de Sade gelesen und dabei zu viele von Hexen gebraute Pilzsüppchen verzehrt. Am ehesten findet sich ein geistesverwandtes Werk noch in der Literatur in Form von Georges Batailles "Das obszöne Werk". Zu diesem sagt Bataille selbst: "Es besteht für jeden ein unverfügbares Innerstes, das immer wieder zu den unangenehmsten Überraschungen imstande ist, wozu man entgegen seines Selbstbildes fähig ist."

Fazit: "Singapore Sling" vereinigt hohe Filmkunst, perverses Exzess und dummdreisten Klamauk zu einem faszinierend-schwerverdaulichen Cocktail.





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