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BesteFreunde
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Kritik: BesteFreunde (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Für die 34-jährige Susi Q könnte es immer so weitergehen: Reisen, am Strand liegen und Spaßvideos mit ihrem besten Freund Mark drehen. Aber Mark macht ihr eines Tages einen Strich durch diese Rechnung, weil er sich verändert. Was bleibt Susi Q anderes übrig, als aus dem Traum der ewigen Jugend zu erwachen? Wo sie sich in Berlin auch umschaut, die Leute in ihrem Alter sind sesshaft geworden und fragen, ob sie auch einer richtigen Arbeit nachgeht. Die Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel und ihr Bruder Jonas Grosch haben ihr drittes gemeinsames Filmprojekt nach "Résiste! Aufstand der Praktikanten" und "Die letzte Lüge" verwirklicht. Neben Grosch ist für Regie und Drehbuch diesmal auch der spanische Filmemacher Carlos Val verantwortlich. Erneut wurde das Projekt ohne Senderbeteiligung und Filmförderung auf den Weg gebracht.
Das Resultat ist ein nachdenklicher, aber auch humorvoller Coming-of-Age-Film, in dem das Auseinanderbrechen einer besten Freundschaft zum Katalysator für die unfreiwillige Weiterentwicklung Susi Qs wird. Als sie nach einer langen Reise heimkehrt, scheint sich dort alles verändert zu haben. Auf einmal fühlt sie sich abgehängt, nicht nur von Mark, sondern allgemein, wenn Leute von ihrer Familie oder ihrer Arbeit erzählen.
Oft erwartet man, dass die Geschichte für Susi Q eine romantisch attraktive Wendung aus dem Ärmel schütteln wird. Dafür steht zum Beispiel Steffen (Niels Bormann) bereit, mit dessen kleiner Tochter Marie Lou (Maria Matschke) sich Susi Q so gut versteht. Der Film spielt offenbar ganz bewusst mit Genrekonventionen und den Erwartungen des Zuschauers. Das passiert zum Beispiel, wenn Susi Q ihren peinlichen Feldzug startet, um Mark erotisch zu umgarnen. Da muss sich doch am Ende ein Erfolg einstellen, meint man, vielleicht mit einem anderen Partner oder einer Partnerin? Aber solche schnellen Lösungen wären dann doch zu platt. Die Alternative zu schwarz ist hier eben nicht weiß, sondern grau.
Der Film wirkt leichtfüßig und unbekümmert, er hat viel übrig für Susi Qs jugendliche Spaßorientierung. Wenn sie mit Mark und Vivian einmal in einer Disco ausgelassen tanzt, kommen die Aufnahmen in leichter Slow Motion den Gefühlen der Charaktere schon sehr nahe. Aber nicht jede Rückblende mit ihren verwackelt eingefangenen Reisemomenten ist sinnvoll und Susi Qs Unentschlossenheit, was nun in Berlin aus ihr werden soll, zieht sich ganz schön hin. Ein wenig mehr Biss und eine klarere eigene Haltung hätten dem hübsch dahinplätschernden Film nicht geschadet.
Fazit: Leichtigkeit, Humor, aber auch eine Spur Ratlosigkeit kennzeichnen diese Coming-of-Age-Geschichte einer Mittdreißigerin, die damit konfrontiert wird, dass ihr vertrauter Wegbegleiter plötzlich nicht mehr mitzieht.





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