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Kritik: Eden (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Erst nach und nach lassen sich in "Eden" eine Handlung und ein Protagonist ausmachen, unvermittelt beginnt Mia Hansen-Løves Drama und wird dabei vor allem vom Soundtrack geprägt. Es herrscht Ausgeh- und Aufbruchstimmung, eine Gruppe von jungen Leuten zieht durch die Pariser Clubs und feiert ausgelassen zu den Housetracks der späten 1990er Jahre. Langsam gerät der junge Paul, ein angehender DJ, immer mehr in den Fokus und gemeinsam mit der Hauptfigur treibt das Publikum in den folgenden zwei Stunden durch mehr als ein Jahrzehnt französischer Musikkultur.

Während die aufwendig gefilmten Clubszenen die Stimmung authentisch und detailgetreu einfangen und dank der Bemühungen der Filmemacher mit einer ganzen Reihe von originalen Tracks aufwarten, erweist die der Protagonist Paul als weitaus weniger ausgefeilt: Der junge Mann scheint vor allem auf sein Umfeld zu reagieren und wird weder vom Darsteller Félix de Givry noch vom Drehbuch durchpsychologisiert. Obwohl die Kamera Paul bis ins Schlafzimmer hinein begleitet, bleibt immer eine gewisse Distanz zu den Figuren und dem Setting bestehen, Hansen-Løve versucht gar nicht erst Ekstasen und Zusammenbrücke filmisch nachzuempfinden, sondern blickt geradezu nüchtern auf das ausgelassene Clubleben samt Kokskonsum, durchgetanzten Nächten und flüchtigem Sex.

Über eine Laufzeit von 131 Minuten streckt sich das im Kern recht konventionelle Drama, das eine musikalische Ära von den zarten Anfängen bis zum Untergang zeigt, und hat dabei so manchen Durchhänger. Nachdem sich die Aufregung der ersten Minuten gelegt hat, beginnt "Eden" zusammen mit seinem Protagonisten immer mehr zu stagnieren und das anspielungsreiche Zeitbild verliert sich in kleinen, wenig fesselnden Episoden und Konflikten. "Eden" erzählt von verpassten Chancen und schafft es letzlich selber nicht sein Potenzial voll auszuschöpfen.

Fazit: Mia Hansen-Løve blickt mit ihrem Drama nüchtern auf ein wildes Leben voller Drogen, Sex und durchgetanzter Nächte. Trotz eines großartigen Soundtracks und stimmungsvoller Clubszenen hat der Film so einige Hänger und kann sein Potenzial nicht ausschöpfen.





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