VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Gallows - Jede Schule hat ein Geheimnis (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Horrorfilm der beiden Regisseure Travis Cluff und Chris Lofing ist komplett als Found Footage inszeniert. Immer steht jemand hinter einer kleinen Kamera, schon in dem Moment, als 1993 auf der Bühne ein Schüler erhängt wird. 20 Jahre nach dem mysteriösen Unfall beschäftigen die Polizei neue Amateuraufnahmen: Sie enthüllen das Schreckliche, das am Vorabend einer Wiederaufführung des Theaterstücks an dieser Schule in Nebraska passiert. Der Junge hinter der Kamera ist der Schüler Ryan, der aus Jux und Langeweile alles aufnimmt, was ihm über den Weg läuft, und der auch die Idee hatte, abends in den Theaterraum einzudringen und die Bühne zu verwüsten. Als die Dinge außer Kontrolle geraten, wird jedoch weitergefilmt und die Aufnahmen stammen längst nicht mehr von Ryan.

Von Anfang an spekuliert man damit, dass es einen Mörder gibt, der die Wiederaufführung für seinen Auftritt nutzen will. Möglicherweise war schon der Vorfall von 1993 ein Mord, oder es gibt einen Angehörigen des Toten, der sich nun rächen will – aber an wem? Die heutigen Schüler, die nachts durch die Schule auf der Suche nach einer offenen Tür irren, trifft ja keine Schuld. Vielleicht gibt der Text, den Reese in dem Stück vor der Erhängung sprechen soll, selbst einen Hinweis: "Er will mich! Er kommt mich holen!" Aber schon früh legt der Film auch andere Spuren, die noch rätselhafter sind: Als Ryan an den Schließfächern hantiert, öffnet sich eine Tür von selbst und fällt krachend wieder zu. Sollte der Mörder ein Geist sein, oder eine Person, die mit dem Übersinnlichen im Bunde ist?

Die Panik der vier Schüler wird bald sehr real, als sie laute Geräusche hören und sich in dunkle Gänge vorwagen, von deren Existenz sie bislang nichts wussten. Als Zuschauer kann man dabei sicher sein, dass einen das Erschrecken förmlich anspringen wird, wie es schon Ryan eingangs als durchaus gelungenen Scherz vormacht, indem er den künftigen Betrachter seines Films mit einem "Buh!" überrascht. Der Horror ist optische und akustische Überwältigung, mit langen Phasen dazwischen, in denen wie in der Geisterbahn nichts passiert. Die vier Charaktere bahnen sich relativ mechanisch ihren Weg durchs Dunkel, ohne dabei groß Sympathiepunkte verbuchen zu können. So wie der merkwürdige Scherzkeks Ryan bleiben sie alle äußerst schwach konturiert. Die ganze Geschichte leidet aber unter einer labilen Konstruktion, wegen der man zu sehr damit beschäftigt ist, das Grauen zu entziffern. Man muss schon gute Gründe haben, wenn man sich im Horrorfilm dem Logikbedürfnis des Zuschauers widersetzt, hier aber geht diese heikle Rechnung nicht auf.

Fazit: Vier Jugendliche sind nachts in ihrer Highschool eingeschlossen und auf der Bühne des Theaterraums wartet der Galgen. Der Horrorfilm will mit Amateurvideos, die als Found Footage dienen, klaustrophobische Spannung erzeugen, erweist sich aber als unbefriedigend konstruiert und bietet nicht viel mehr als ein paar wie Paukenschläge inszenierte Schreckmomente.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.