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Domino Effekt
Domino Effekt
© Real Fiction © Elwira Niewiera & Piotr Rosołowski © Otter Films & zero one film

Kritik: Domino Effekt (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die erste und die letzte Einstellung in "Domino Effekt" zeigen dasselbe: das Schwarze Meer an der Küste Abchasiens. Wogen die Wellen zu Beginn noch sanft an den Strand, sind sie am Ende meterhoch. In den 76 Minuten dazwischen haben sich auch die Gefühle der zwei Protagonisten aufgeschaukelt.

Seit dem Ende der Sowjetunion kämpft Abchasien für seine Unabhängigkeit. 1993 wurde sie blutig errungen. Doch auch zwei Jahrzehnte nach der Loslösung von Georgien ist der kleine Staat am Schwarzen Meer mit seinen knapp 250 000 Einwohnern immer noch nicht auf dem internationalen Parkett angekommen. Lediglich vier UN-Mitgliedsstaaten erkennen die Republik an. Anhand der Liebe des Abchasen Rafael und der Russin Natascha erzählen Elwira Niewiera und Piotr Rosołowksi die (kurze) Geschichte dieser jungen Republik.

Auf einen einordnenden Kommentar verzichten die beiden Regisseure in ihrem Dokumentarfilm. Sie lassen ihre Protagonisten sprechen – vor der Kamera und via Voice-over. Hier geben Rafael und Natascha ihre Gedanken zu ihrer Beziehung, zu ihren Ländern und zur Beziehung ihrer beiden Länder preis. Archivaufnahmen des Befreiungskrieges ergänzen das Material und fügen das Puzzle dieses den meisten Menschen unbekannten Landstrichs zu einem Ganzen zusammen.

Es ist eine Liebe auf Ruinen, die "Domino Effekt" zeigt. Zwischen all den verfallenen und vom Krieg versehrten Gebäuden ist die einstige Pracht der Strandpromenaden zu erahnen, die Abchasiens Städte einst zum beliebten Strandidyll machte.

Der Zusammenprall der Kulturen durch den stoischen Abchasen und die temperamentvolle Russin bringt intime, gleichermaßen komische wie traurige Situationen hervor. So wohnt der Zuschauer gemeinsam mit Rafael einem Fußballspiel der abchasischen Liga vor beinahe leeren Rängen bei oder sitzt mit Natascha bei einer Familienfeier verloren in der Küche. Dass die Abchasen zur Entspannung gern an jeder Ecke Domino spielen und dieses Spiel so ernst nehmen, dass sie eine Weltmeisterschaft darin ausrichten, hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können. Noch weniger, dass während der WM kurz nach Anpfiff der Partien prompt der Strom ausfällt und die Wettkämpfer mit ihren kleinen Steinchen im Dunkeln sitzen.

Es sind diese absurden und lakonischen, stets präzise beobachteten Momente, die "Domino Effekt" zu einem gelungenen Dokumentarfilm machen. Einem Dokumentarfilm, der, wenn es um die grundlegenden Dinge des Lebens geht, trotz der fremden Kultur voll alter Rollenbilder auch dem westlichen Zuschauer nahegeht.

Fazit: Ruhiger Dokumentarfilm, der die Geschichte eines vergessenen Landstrichs durch die Augen zweier Protagonisten erzählt. Neben all der Politik geht es eigentlich um die Liebe.





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