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Kritik: Love and Friendship (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Whit Stillmans "Love & Friendship" ist eine Adaption von Jane Austens wenig bekanntem Briefroman-Entwurf "Lady Susan", welcher von der britischen Schriftstellerin um das Jahr 1794 herum angefertigt, aber erst posthum 1871 publiziert wurde. Das Frühwerk trägt die Züge einer bissigen Gesellschaftssatire – und ist damit die perfekte Vorlage für einen Film von US-Writer-Director Stillman, der bereits mit "Metropolitan" (1990), "The Last Days of Disco" (1998) oder "Algebra in Love" (2011) herrlich-virtuose Comedy-of-Manners-Beiträge lieferte. Seine neuste Schöpfung kann mühelos an die Stärken seiner vorigen Arbeiten anknüpfen, indem pointierte Dialoge auf hervorragendes Schauspiel und eine superbe Inszenierung treffen.

Es gelingt Stillman, ein durchaus präzises Period Piece mit berückenden Kostümen sowie erstklassigem Produktionsdesign auf die Leinwand zu bringen – und zugleich einen äußerst modernen Blick im Erzählen der Geschichte erkennen zu lassen. Dies liegt in erster Linie an der ambivalent gezeichneten Protagonistin: Zweifelsohne ist Susan eine Manipulatorin und Egomanin, obendrein eine recht fragwürdige Mutter – doch ebenso ist sie eine intelligente, libertäre Heldin, die mutig und entschlossen gegen die Bigotterie ihres Umfeldes aufbegehrt. In der Art und Weise, in welcher Stillman die Normen des ausklingenden 18. Jahrhunderts in Großbritannien und, vor allem, deren geschickte Dekonstruktion einfängt, hat etwas angenehm Frisches, Kluges und Unterhaltsames, wodurch sich "Love & Friendship" weit von der Betulichkeit vieler historischer Stoffe entfernt. Dazu tragen auch zahlreiche schöne Ideen in der filmischen Umsetzung des Briefromans bei – so etwa grafische Elemente, um die Bedeutung des geschriebenen Wortes im Handlungsverlauf hervorzuheben.

Die Hauptrolle wird von Kate Beckinsale mit Bravour verkörpert. Nach (zu) vielen Ausflügen ins Action- und Fantasy-Genre kann die Britin hier eine der besten Leistungen ihrer bisherigen Karriere zeigen. Wunderbar unterstützt wird sie dabei von Chloë Sevigny (ihrem einstigen Co-Star aus "The Last Days of Disco") als Susans Vertraute Alicia sowie von Tom Bennett, der als tumber Sir James eine extrem witzige Performance an den Tag zu legen vermag.

Fazit: Eine vorzüglich ausgestattete Sittenkomödie mit geistreichen Dialogduellen, deren Humor von dem spielfreudigen Ensemble, insbesondere von Kate Beckinsale, optimal transportiert wird.





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