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Baden-Württemberg von Oben
Baden-Württemberg von Oben
© Kinostar

Kritik: Baden-Württemberg von Oben (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Den Namen Peter Bardehle dürften viele Zuschauer bereits mit filmischen Landschaftsporträts aus der Vogelperspektive verbinden, in Form von TV-Serien oder Kinofilmen wie "Die Alpen – Unsere Berge von oben" und "Rheingold – Gesichter eines Flusses". Nun hat sich der Dokumentarfilmer mit seiner Co-Regisseurin Julia Zantl an die gar nicht so einfache Aufgabe gewagt, sein heimatliches Bundesland dem Kinopublikum aus der Luft zu erschließen. Denn mit dem Namen Baden-Württemberg verbindet man weniger spektakuläre Landschaften, als eine von fleißigen Menschen besiedelte Region.

Die Einteilung des Films in vier Etappen bietet sich wegen der großen regionalen Vielfalt an: Der sonnenverwöhnte Kaiserstuhl bei Freiburg und die raue Schwäbische Alb unterscheiden sich ebenso voneinander wie das im Zweiten Weltkrieg unzerstörte Konstanz von Mannheim. Der Film verlässt zwischendurch die Gegenwartsebene und zeigt Archiv-Aufnahmen in Schwarz-Weiß von den Luftangriffen der Alliierten. Man sieht die Bomben fallen und dann in Ruinenlandschaften verwandelte Städte und Industrieregionen. Mit punktuellen Beispielen wird an andere historische Epochen wie die Zeit der Staufer erinnert, welche den als Heller bekannten Silberpfennig prägten. Alte Burgen und Prachtbauten werden ebenso angesteuert wie die Standorte weltbekannter Unternehmen.

Wie bei vielen anderen "Von-oben"-Filmen wünscht man sich als Zuschauer, an einzelnen Stationen länger zu verweilen und Reizvolles näher zu erkunden. Als Appetitanreger für die Fremden und als Heimatalbum für die Bewohner funktioniert der Film ganz gut. Wenn sich der Hubschrauber aber dem Ulmer Münster oder einer historischen Altstadt nähert, erwartet man stärkere Zooms, imposante Überflüge, ein genaueres Abtasten der Architektur. Aber ärgerlicherweise wird so vieles nur angeflogen und sobald die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf das Ziel gelenkt ist, erfolgt schon wieder ein Schnitt auf ein neues Motiv.

Wo es der Bildgestaltung an Atmosphäre und Substanz fehlt, kann mancherorts die Musik oder der Kommentartext aushelfen. So rezitiert Nina Hoss zum Beispiel Verse von Christian Morgenstern und Annette von Droste-Hülshoff. Der Film bietet insgesamt einen interessanten Überblick über eine Region, deren Image nicht so markant ist wie die norddeutsche Küste oder das bayerische Voralpenland. Aber weder die Dramaturgie, noch das Bildmaterial sind qualitativ so herausragend, dass man den Film unbedingt im Kino anschauen müsste.

Fazit: Der Dokumentarfilm erschließt die bunte geografische und kulturelle Vielfalt des 1952 gebildeten Bundeslandes aus der Vogelperspektive. Aus der Informationsfülle in Bild und Wort ragen interessante Fundstücke heraus, aber die Aufnahmen wirken nicht besonders spektakulär und werden recht ungeduldig geschnitten, so dass sich keine überzeugende Atmosphäre entfalten kann.




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