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Hallohallo
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© Kool Filmdistribution

Kritik: Hallohallo (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"HalloHallo", der vierte Film der schwedischen Regisseurin Maria Blom ("Zurück nach Dalarna!"), ist eine starke Komödie mit einer starken und gleichzeitig unscheinbaren Hauptfigur. Die über 40-jährige Krankenschwester Disa schaut immer ein wenig verloren drein, wie ein Mädchen, das die Spielregeln nicht begreift. Ihr Ex-Mann ist mit einer anderen Frau zusammen, und nun steht sie da: als berufstätige Mutter zweier Töchter, die sich vom Lauf der Dinge abgehängt fühlt. Die Provinzstadt Falun ist ihr fremd geblieben, aber sie kann auch nicht wegziehen, wegen der Töchter, die auch regelmäßig beim Vater sind. Wie diese gutmütige, überforderte Person in die perfekte Krise purzelt und dann ihre Antennen allmählich wieder ausfährt, wird herrlich witzig und nahe am Leben erzählt.

Disa ist, wie sie in der Kälte unschlüssig dasteht, warm eingepackt mit Mütze und Schal, die Verkörperung aller erdenklichen Midlife-Tristesse. Und doch hat sie etwas Junges, Kindisches: Vielleicht ist es der geheime Groll, dass doch etwas mehr dabei herausspringen müsste, wenn man immer nur funktioniert. Diese Ahnung verstärkt sich, als die Eltern überraschend zu Besuch kommen und die Mutter sie ständig herabsetzt. Disa wirkt immer wie eine herzliche, gute Person, die aber vor lauter Misserfolg schrecklich gehemmt ist. Zum Beispiel soll sie sich jetzt mit Laban über seinen erwarteten Familienzuwachs freuen, obwohl der ihren Traum von einer Wiedervereinigung zunichte macht. Maria Blom stellt die von der Finnin Maria Sid sehr liebenswert gespielte Disa in die Mitte eines vielfältigen Spannungsfelds, in dem nichts simpel und geradlinig verläuft. Sie lernt neue Leute kennen, aber die sind auf ihre Weise auch recht eigen. In der einsamen, verbitterten Patientin Mary erkennt sich Disa vielleicht ein Stück weit wieder. Sie schließt die alte Frau ins Herz, die ihr beichtet, warum sie so einsam ist. Disa geht ganz verschiedene neue Wege, mal dort einen Schritt, mal da. Dazu gehört auch das Kampfsport-Training, in dem sie ihre Aggressivität und Kraft entdeckt.

Gerade diese Szenen aus dem Training sind typisch für den Humor der Komödie: Disa tanzt aus der Reihe, wirkt auf die Kursteilnehmer bedrohlich, auf die Zuschauer zum Lachen – und ist doch auf dem richtigen Weg. Diese witzige Ambivalenz lässt den Film so lebendig, authentisch wirken. In Falun gibt es nicht viel, was wirklich aufregend ist, aber auch ein paar ungehobene, zum Teil skurrile Schätze, wenn man nur genauer hinsieht. Bis zum Schluss bleibt die Komödie, die so verhalten, vom grauen Alltag durchwachsen und dann wieder dramatisch-anrührend sein kann, spannend.

Fazit: Die Entwicklung einer enttäuschten, unsicheren Frau in den Vierzigern zur selbstbewussten Person mit Herz verläuft in dieser schwedischen Komödie in heiterem Zickzackkurs. Die Geschichte wirkt mit ihrer sympathischen, gut gespielten Hauptfigur und dem reizvollen Klein-Klein vielfältiger Themen sehr lebensnah.




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