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A Bell for Ursli
A Bell for Ursli
© Frenetic Films AG

Kritik: Schellen-Ursli (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Oscar-prämierte schweizerische Regisseur Xavier Koller ("Reise der Hoffnung") hat ein in seiner Heimat sehr beliebtes, 1945 erschienenes Kinderbuch verfilmt. Er schmückt es zu einer längeren Geschichte aus, die, ähnlich wie "Heidi", zum Teil hoch oben auf einer Alm spielt. Dort gibt es auch ein Mädchen, aber der Held ist in diesem Film ihr Freund, der so wie der Geißenpeter bei "Heidi" mit den Ziegen über die Bergwiesen streift. Uorsin ist stets fröhlich und hat nicht einmal vor dem Wolf Angst, der seine Ziegen bedroht. Der Winteranfang unterbricht die sich anbahnende Freundschaft zwischen dem Jungen und dem wilden Tier und die Familie zieht ins Dorf, wo sie nach einem Unfall in eine materielle Notlage gerät. Uorsin bekommt die soziale Ungerechtigkeit zu spüren, die darin besteht, dass der reiche Ladenbesitzer Macht über andere Menschen wie ihn und seine Eltern ausübt.

Auch Kollers voriger Film, "Die schwarzen Brüder", handelte von der Armut vergangener Zeiten. Dort mussten sich schweizerische Kinder als Schornsteinfeger in Mailand verdingen. In "Schellen-Ursli" ist das Szenario nicht so düster: Im Dorf gibt es Leute, die Uorsin und seinen Eltern zur Seite stehen. Der reiche Armon und sein verzogener Sohn können sich zwar viel erlauben, aber auch sie müssen sich in die Dorfgemeinschaft, über die der Pfarrer wacht, einfügen. Neben dem ausgeprägten Thema der Gerechtigkeit mit seiner historischen Sozialkritik – die Handlung ist in einer Vergangenheit der Pferdewagen und der nächtlichen Zipfelmützen angesiedelt - , geht es auch um die Freundschaft und die Rivalität zwischen den Kindern. So ist in dem ereignisreichen Abenteuer für viel Abwechslung gesorgt. An der Seite des Hauptcharakters lernt der Zuschauer den Alltag auf der Alm und danach im Dorf kennen, die Arbeiten, die seine Eltern zu erledigen haben und in die häufig auch der Junge eingespannt wird.

Jonas Hartmann spielt den Hauptcharakter sehr sympathisch und lebhaft. Uorsins fröhliche, zupackende Art hilft ihm über so manchen Kummer hinweg. Einen besonderen Reiz bieten die Szenen, in denen Uorsin dem Wolf begegnet und mit ihm kommuniziert. Visuell malt der Film das Zeitkolorit einer vergangenen Epoche sehr ansprechend aus – nur leider gibt es sprachlich auch eine hochdeutsche Version, um das Publikum jenseits der Landesgrenzen nicht zu überfordern. Ausdrücke wie "Alles gut?" oder "Toll, vielen Dank" sind atmosphärische Spielverderber. Hoffentlich fallen sie wenigstens den kleinen Zuschauern nicht als unpassend auf.

Fazit: Die Abenteuer eines schweizerischen Bauernjungen handeln vom rauen Leben in den Bergen in früheren Zeiten, von Freundschaft und Rivalität unter den Dorfkindern und sozialer Ungleichheit. Mit seinem fröhlichen Hauptcharakter und dem ansprechenden Zeitkolorit der Bilder gelingt Regisseur Xavier Koller ein recht spannender und unterhaltsamer Kinderfilm.





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