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Vincent van Gogh: Die neue Art des Sehens
Vincent van Gogh: Die neue Art des Sehens
© Seventh Art Productions & Annelies van der Vegt

Kritik: Vincent van Gogh: Die neue Art des Sehens (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Kürzlich hatte der amerikanische Dokumentarfilmer Frederick Wiseman in seinem meisterhaften Portrait der "National Gallery" in London gezeigt, wie sehr man sogar solch eine altehrwürdige Institution zu wahrem Leben erwecken kann. Die im Direct-Cinema-Stil gedrehte Dokumentation präsentierte das Flaggschiff der britischen Hochkultur als einen vibrierenden Organismus, der bis unter die Decke voller spannender Geschichten steckt. Im Vergleich dazu ist "Vincent Van Gogh - Die neue Art des Sehens" ein sehr klassischer Dokumentarfilm.

Das in der Reihe "Exhibition on Screen" von Phil Grabsky produzierte Portrait des Van Gogh Museums in Amsterdam nähert sich seinem Sujet auf eher unspektakuläre Weise. Zunächst wirkt die ruhige Abfolge von Interviews mit Experten in Form von sprechenden Köpfen, zumeist in der Totale erfassten Gemälden und mit alten Fotografien und einem Double des Künstlers bebilderten Textpassagen aus den Briefen des Künstlers fast ein wenig zu trocken. Auf gewissenhafte Weise wird jede einzelne Station im kurzen Leben van Goghs chronologisch abgearbeitet. Doch ohne, dass man sagen könnte, wann es genau beginnt, entsteht hierbei ein immer stärker werdender Sog.

Es ist hochinteressant zu verfolgen, was für ein permanenter Kampf das Leben des Niederländers war. Alleine der Weg, bis er sich überhaupt erst einmal für eine Existenz als Künstler entschloss, ist 27 Jahre lang. Anschließend blieben ihm nur noch 10 weitere Jahre der künstlerischen Entwicklung. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Konsequenz und Verbissenheit Van Gogh sich in diesen wenigen Jahren von seinen frühen - zumeist sehr grobschlächtigen Zeichnungen - bis zu seinen späteren Meisterwerken weiterentwickelt hat. Man gewinnt den Eindruck, dass der Niederländer die bekannte Rock-and-Roll-Philosophie "Live fast, die young" auf seine Weise um fast 100 Jahre vorweggenommen hat. Diese Leidenschaft ist in seinen intensiven Werken kondensiert. Die Betrachtung von "Vincent Van Gogh - Die neue Art des Sehens" weckt die Lust, sich diese im Original im Van Gogh Museum in Amsterdam anzusehen.

Fazit: Der sehr klassischen Dokumentation gelingt es ein Portrait van Goghs zu zeichnen, bei dem einem der Künstler auch als Mensch wirklich näher kommt.




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