VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Dirigenten - Jede Bewegung zählt!
Dirigenten - Jede Bewegung zählt!
© mindjazz pictures

Kritik: Dirigenten - Jede Bewegung zählt! (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Alle Augen sind auf sie gerichtet, denn sie geben den Takt an. Dem Konzertpublikum mag das wie eine leichte Übung erscheinen, schließlich haben die Dirigenten professionelle Musiker vor sich sitzen. Doch wie richtungsweisend ihr Fingerzeig ist, hat Sir Georg Solti zu Lebzeiten auf den Punkt gebracht: "Es ist unerklärlich und rätselhaft, was Körper, Augen und Seele eines Dirigenten auf das Orchester übertragen: Wenn ein Orchester dieselben sechzehn Takte unter verschiedenen Dirigenten spielt, klingt es jedes Mal völlig unterschiedlich." Wie recht der 1997 verstorbene, ehemalige Generalmusikdirektor der Stadt Frankfurt am Main damit hatte, zeigt Götz Schauders Dokumentarfilm "Dirigenten – Jede Bewegung zählt!" bereits bei den ersten Proben.

Schauder begleitet fünf Nachwuchstalente auf ihrem Weg durch den vierten internationalen Wettbewerb, der Soltis Namen trägt. Schnell wird deutlich, wie unterschiedlich die Porträtierten an ihr Dirigat herangehen. Während die einen nur hie und da korrigieren, wissen, wann sie dem Orchester seinen Freiraum lassen sollten, kommt bei anderen durch zu viele Unterbrechungen und ausuferndes Dozieren schnell Unruhe auf. Mit Musikverstand allein ist es nicht getan. Ein Dirigent sollte auch ein guter Menschenkenner sein. Doch nicht bei jedem der Teilnehmer herrscht diese Einsicht. Wie sich der ehrgeizige Aziz Shokhakimov (zunächst) als schlechter Verlierer gibt, ist einer der Höhepunkte dieses recht spannungsarmen Dokumentarfilms.

Regisseur Götz Schauder gewährt einen intimen Einblick hinter die Kulissen des Musikbetriebs. Bei Diskussionsrunden der Jury ist die Kamera ebenso dabei wie vor und nach den Proben der Dirigenten, die ihre Gedanken zum Teil freimütig äußern. Dass es nicht alle der fünf Porträtierten in die nächste Runde schaffen, gehört zu Schauders Berufsrisiko. Schließlich musste sich der Regisseur vor dem Beginn der Dreharbeiten auf eine überschaubare Anzahl an Protagonisten beschränken. Aber auch abseits dieses erzählerischen Ungleichgewichts gerät "Dirigenten – Jede Bewegung zählt!" immer wieder ins Wanken. Wenn etwa die Jury zusammenkommt, ist nicht immer ersichtlich, über wen sie gerade diskutiert. Hier fehlt ein einordnender Verweis, an dem sich das Kinopublikum orientieren kann. Und auch die technische Umsetzung des Films lässt zu wünschen übrig. Insgesamt sind die Farben zu verwaschen, setzen sich Vorder- und Hintergrund zu schwach voneinander ab, dominieren zu viele Unschärfen das Bild. Hier gleicht "Dirigenten – Jede Bewegung zählt!" manchmal mehr einem mittelmäßigen Homevideo denn einem gelungenen Kinofilm.

Fazit: "Dirigenten – Jede Bewegung zählt!" gewährt einen Blick hinter die Kulissen eines Musikwettbewerbs. Doch nicht alle Nachwuchstalente öffnen sich vor der Kamera. Auch bei den Entscheidungen der Jury versäumt es Regisseur Götz Schauder, Klarheit zu schaffen. Visuell ist der Dokumentarfilm alles andere als ein Augenschmaus.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.