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Hördur
Hördur
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Kritik: Hördur (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Pferdefreunde können sich immer wieder auf eine Begegnung mit ihren Lieblingen auf der großen Leinwand freuen. Neben ungewöhnlichen Spielfilmen wie etwa Monika Treuts "Von Mädchen und Pferden" (2014) und dem ähnlich betitelten, aber äußerst eigenwilligen "Von Menschen und Pferden" (2013) startete zum Beispiel erst vor wenigen Wochen das recht konventionelle Mystery-Jugenddrama "Die Legende der weißen Pferde" in den Kinos.

Ekrem Ergüns "Hördur" erweist sich nun ebenfalls als ein typischer Jugendfilm, der inhaltlich einige Parallelen mit "Die Legende der weißen Pferde" aufweist, dabei aber doch zugleich mehr um Realismus und die Schilderung sozialer Missstände bemüht ist. Das Reiten dient hier nur zu Beginn als düster-romantischer Mädchentraum, fantastische Schwärmereien weichen aber rasch einem tendenziell nüchternen sowie facettenreichen Blick auf die Lebenswelt der jungen Protagonistin.

Große Überraschungen bietet Ergüns Coming-of-Age-Geschichte dabei keine. Was passieren wird, ist von vorneherein eindeutig und so scheint der Film mitunter selber keine große Lust zu haben, alles auszuerzählen. Diese Reduktion ist manchmal durchaus angenehm, oft aber irritiert sie, wenn etwa Figuren nicht vollständig entwickelt werden und Motivationen nicht nachvollziehbar sind. Die guten Darsteller können dennoch überzeugen, allen voran Almila Bagriacik in der Hauptrolle.

So weiß "Hördur" nach dem allzu plakativ geratenen Einstieg ab dem Mittelteil durchaus zu gefallen und porträtiert auf komplexe Weise das gesellschaftliche Milieu der türkischstämmigen Heldin. Der Soundtrack drängt dabei beharrlich zu großen Gefühlen, die auf visueller Ebene leider keinen Gegenpart finden. Starke Bilder für das emotionale Aufbegehren der jugendlichen Protagonistin findet Ergün nicht und so erinnert "Hördur" letztlich doch mehr an einen guten TV-Film als an großen Kino.

Fazit: Trotz einiger Schwächen bei der Figurenzeichnung sowie einem allzu plakativen Einstieg erweist sich "Hördur" als komplexer und wirklichkeitsnaher Blick auf die Lebenswelt der jungen Heldin. Leider findet der Film keine starken Bilder und erinnert daher eher an Fernsehunterhaltung als an großes Kino.




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