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Love Hotel
Love Hotel
© dejavu filmverleih

Kritik: Love Hotel (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der britische Dokumentarfilmer Phil Cox und seine Co-Regisseurin Hikaru Toda haben sich im Inneren des Angelo Love Hotels im japanischen Osaka umgesehen, dessen Besucher großen Wert auf Diskretion legen. Sie schauten nicht nur den Mitarbeitern über die Schulter, sondern begleiteten auch ein paar Kunden in ihre gemieteten Räume. Cox zufolge bieten Love Hotels den von Konformismus, beengten Wohnverhältnissen und Arbeitsstress geplagten Japanern einen "psychologischen Freiraum".

Das Personal sorgt für Ordnung, putzt und liefert die Bestellungen auf die Zimmer – ganz diskret in Form von Rohrpost oder durch eine Luke neben der Tür. Es gibt fantasievolle, erotisch dekorierte Motto-Zimmer, runde Betten, Lichtshows, Musik, Kino... "Love Hotels sind wie eine Reise", sagt ein Mitarbeiter. Es gehe nicht nur um Sex, denn den könne man auch zu Hause haben. Das Ehepaar Sakamoto wird in dieser Umgebung zu lustvollen Ideen inspiriert. Es gibt auch Paare, die sich sonst nirgends treffen könnten oder einsame Männer wie den Rentner, dessen Frau keinen Sex möchte. Er bestellt sich etwas zu essen, schläft ein, schreibt einer Nachbarin, für die er schwärmt, einen Brief. Die Domina Rika sagt, die Japaner seien dazu erzogen, ihre Gefühle und Ansichten vor anderen zu verbergen. Das schwule Pärchen genießt es, im Bett über persönliche Geheimnisse zu reden. Der Film ist an solchen kleinen Glücksmomenten interessiert, nicht an pornografischem Material – obwohl auch ein paar kurze, bizarre SM-Szenen vorkommen.

Die Sehnsucht vieler Besucher nach Liebe und Nähe spiegelt die Filmmusik mit nostalgischen Titeln wie Dean Martins "You're nobody 'til somebody loves you" oder dem Comedian-Harmonists-Klassiker "Tea for Two". Wenn den Mitarbeitern nach Feiern zumute ist, veranstalten sie ausgelassene Kostümpartys. In den Statements der Chefs aber geht es vor allem um die restriktive Politik, die das Konzept aus den Angeln zu heben droht: So müssen die schön gestalteten Motto-Zimmer komplett abgebaut werden.

Gelegentlich verlässt die Kamera das Love Hotel, um Protagonisten in der Bahn zu begleiten, sich im Trubel der Straßen umzuschauen oder Stadtpanoramen einzufangen. Mit der Zeit scheinen sich einige Themen zu wiederholen, ohne dass es zu einer weiteren inhaltlichen Vertiefung kommt. Dennoch ist der relativ kurze Dokumentarfilm überwiegend interessant, weil er behutsam und voller Sympathie in einen sehr privaten Bereich der japanischen Gesellschaft vordringt.

Fazit: Der Dokumentarfilm sieht sich im Inneren eines japanischen Love Hotels um, wohin sich Paare zurückziehen, um Erotik und ungestörtes Beisammensein zu genießen. Die Freude der Menschen an ihren kleinen Fluchten aus den Zwängen der Gesellschaft wird mit viel Sympathie eingefangen.




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