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California City
California City
© Real Fiction © Bastian Günther, INDI FILM

Kritik: California City (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"California City" ist ein Werk, das sich auf reizvolle Weise zwischen den Gattungen Spiel- und Dokumentarfilm bewegt. Der 1974 geborene Regisseur und Drehbuchautor Bastian Günther – ein Absolvent der "Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin" – konfrontiert sein Publikum mit endzeitlich anmutenden Aufnahmen, die sich einzuprägen verstehen. Die "story of searching and longing", die er hier erzählt, ist in einer "Geisterstadt" inmitten der Mojave-Wüste angesiedelt – in einem post-apokalyptisch wirkenden Areal, das der US-Finanz- und Immobilienkrise zum Opfer gefallen ist und zugleich die Einsamkeit der Hauptfigur widerspiegelt. "When did it start? How long ago was that?", fragt sich der Protagonist an einer Stelle. Jegliches Zeitempfinden scheint verloren gegangen zu sein.

Die Bilder der kargen Landschaft werden von dem Mann mittels voice-over kommentiert. Er erläutert seine Tätigkeit als Schädlingsbekämpfer – teilweise ganz sachlich, teilweise aber auch sehr persönlich ("Headquarters, my ass!"). Wenn er mutmaßt, dass seine Kollegen in der fernen Zentrale gerade auf Facebook unterwegs sind und sich Katzenvideos anschauen, wird die Frustration über seine sinnlose, stumpfsinnige Arbeit deutlich. Die Schicksale der Leute, denen er im Laufe des Films begegnet, gibt er völlig nüchtern wieder. Was der Stoff mitreißender Hollywood-Melodramen sein könnte, wird den Zuschauer_innen hier also betont schnörkellos mitgeteilt – wobei gerade diese Lakonie zum Nachdenken anregt. Wenn der namenlose Mann selbst ins Grübeln gerät oder wenn er sich mit den verbliebenen Bewohnern der brachliegenden Stadt unterhält, kommen Mystery-Elemente ins Spiel: Werden womöglich Militärtests in der Gegend durchgeführt? Ist hier gar mind control vonseiten der Regierung im Gange?

Die Sehnsucht des Helden nach seiner Ex-Freundin Chelsea wird in Super-8-Passagen – gelegentlich in Schwarz-Weiß – vermittelt. Als der Mann, der seine Nächte in Motels verbringt, Rat bei einer Telefon-Hellseherin sucht, führt dies zum lustigsten Moment von "California City": Er werde bald wieder Liebe finden, versichert die Stimme am Telefon – und zwar in der ersten Novemberhälfte. "That's specific – wow!", erwidert der zunehmend Isolierte verwundert. Am Ende des Films steht schließlich eine schöne Erkenntnis, die der Tristesse eine trotzige Hoffnung entgegenzusetzen weiß.

Fazit: Bastian Günther hat einen bildstarken Hybrid-Film im US-Niemandsland geschaffen, der das reale Schicksal eines Ortes mit der fiktiven Gefühlswelt eines Einzelnen verknüpft. Ein interessantes Experiment!





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