VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Parcours d'Amour
Parcours d'Amour
© Neue Visionen

Kritik: Parcours d'Amour (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die deutsche Filmemacherin Bettina Blümner ("Scherbenpark", "Prinzessinnenbad") porträtiert in ihrem Dokumentarfilm "Parcours d'Amour" ein paar tanzbegeisterte Senioren aus Paris. Sie schaut ihnen zu, wie sie in eleganter Kleidung im Tanzcafé über das Parkett gleiten, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Und sie lässt sich von ihnen einzeln erzählen, wie sie zur Liebe und zum anderen Geschlecht stehen. Das Klischee vom alten Menschen, der vor allem seine Ruhe haben will, passt zu keinem von ihnen.

Die Freude dieser alten Menschen und ihre offensichtlich langjährige Übung lassen darauf schließen, dass Tanzen gehen in Frankreich eine ganz selbstverständliche Freizeitbeschäftigung ist, die nicht endet, sobald man die 30 überschreitet oder eine Familie gründet. Die Männer hier tragen wie auf einer Feier Anzug mit Krawatte, die Frauen Tanzschuhe mit Absatz. Wenn sie auf dem Parkett loslegen, wirken sie jung und voller Energie. Sie harmonieren als Paar jeweils hochkonzentriert und doch vollkommen natürlich, emotional beschwingt.

Diese Menschen tanzen also, weil es zu ihrer Vorstellung vom schönen Leben gehört. Christiane, die auf diesem Wege auch einen Mann für eine feste Beziehung kennenlernen will, wird jedoch vermutlich mit Typen wie Eugène oder Gino nicht viel anfangen können – und umgekehrt auch nicht. Denn die beiden Männer sind in der Liebe flatterhaft wie Schmetterlinge, sie wollen küssen, aber ihr Herz nicht verschenken. Man könnte sie gar für beziehungsunfähig halten. Aber das Tanzcafé zieht sie magisch an: Hier können sie die Zweisamkeit erleben, die ihnen zuhause fehlt, mit ihren schönen Seiten für die Dauer eines Liedes spielen.

Christiane und Michelle machen sich Gedanken, wie sie mit Tanzpartnern umgehen sollen, die sich im Ton vergreifen. Und Michel hört von einer seiner Kundinnen, wie sehr sie seine geschliffenen Umgangsformen schätzt. Mit dem anderen Geschlecht klarzukommen, erfordert eben auch im Alter noch eine gewisse tänzerische Eleganz und bleibt eine aufregende Herausforderung. Eine seiner ältesten Kundinnen besucht Michel zuhause, um mit ihr dort noch ein Tänzchen zu wagen. Obwohl die Dame aus der Puste kommt, zeigt diese Szene vielleicht am deutlichsten von allen, dass all diese Menschen ihre Vitalität nicht im Lehnstuhl verlieren wollen. Ein schöner Film, der Sympathie für seine Protagonisten hegt, aber auch eine angemessene Distanz zu ihnen wahrt.

Fazit: Die Senioren, die der Dokumentarfilm von Bettina Blümner in Paris porträtiert, sind begeisterte Tänzer. Ihre Leidenschaft und ihr ungebrochenes Interesse am anderen Geschlecht hält sie jung. Man sieht ihnen staunend zu und stellt erfreut fest, dass es für die Disco ganz offensichtlich nie zu spät sein kann.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.