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Lichtes Meer
Lichtes Meer
© Salzgeber & Co

Kritik: Lichtes Meer (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Eine Geschichte um schwule Matrosen, das klingt im ersten Moment nach schwülstigen Männerfantasien voller Sex und kitschiger Seemannsromantik. Ganz falsch liegt man mit dieser Annahme bei Stefan Butzmühlens ruhigem Drama "Lichtes Meer" zwar nicht, aber der Regisseur erzählt seine Story um Südseefantasien und eine große Liebe auf überraschend zärtliche und moderne Weise.

Den mitunter naiven Sehnsüchten und Wunschträumen seiner verliebten Protagonisten stellt Butzmühlen nämlich dokumentarische Einblicke in den Alltag an Bord eines Containerschiffs entgegen. In langen, unaufgeregten Einstellungen begleitet die Kamera das geschäftige Treiben, vom Verladen der Fracht bis zu den Arbeiten der Mechaniker unter Deck, und erdet den Film damit ungemein. Entsprechend nüchtern und ungekünstelt vollzieht sich auch das Kennenlernen der beiden Helden Marek und Jean, die von Martin Sznur und Jules Léo Sagot mit wohltuendem Understatement verkörpert werden: Die Körper der Darsteller sind dabei meist wichtiger für ihr Spiel als das Sprechen, denn die Dialoge sind rar und oftmals wird die Handlung gar nicht erst gezeigt, sondern lediglich aus dem Off in Form vom Mareks Tagebucheinträgen vorgetragen.

Relativ undramatisch, aber trotzdem nie langweilig entfaltet sich so die Beziehung zwischen den Hauptfiguren und ihre Sexualität wird dabei mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie der Berufsalltag der Matrosen betrachtet. Trotz seiner schnörkellosen, klaren Art ist "Lichtes Meer" beileibe kein kühler Film, sonder erlaubt sich immer wieder auch Schwelgereien. Neben feinen Details wie Blicken und Berührungen oder recht expliziten Sexszenen im Dämmerlicht der Kajüte ist es besonders die musikalische Untermalung, die hier heraussticht: Fabrizio Tentonis großartiger Soundtrack, der größtenteils aus Neuinterpretationen traditioneller Shantys besteht, stellt einerseits einen ironischen lyrischen Gegenpol zum eher prosaischen Seemannsberuf dar und bietet zugleich einen durchaus ernst gemeinten Raum für Schwärmereien. Die sanfte Ironie erweist sich somit nicht als Mittel zum Bruch mit den Sehnsüchten der jungen Helden, sondern sie verschafft lediglich etwas Distanz, um sich diesen Matrosenträumen aus einem neuen, unverbrauchten Blickwinkel annähern zu können.

Fazit: Stefan Butzmühlens leises Beziehungsdrama verbindet gekonnt die verliebten Schwärmereien junger Matrosen mit einem dokumentarischen Blick auf den Alltag an Bord eines Containerschiffs. Die sanfte Ironie des Films dient dabei nicht als Mittel, um ganz mit den romantischen Klischees vom Seemannsleben zu brechen, sondern diese mit etwas Distanz als Raum für Schwelgereien neu zu interpretieren.





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