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Anni Felici - Barfuß durchs Leben
Anni Felici - Barfuß durchs Leben
© Camino

Kritik: Anni Felici - Barfuß durchs Leben (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Anni Felici – Barfuß durchs Leben" ist nach "Mein Bruder ist ein Einzelkind" (2007) und "La nostra vita" (2010) bereits die dritte Familiengeschichte, die der italienische Autorenfilmer Daniele Luchetti auf die Kinoleinwand bannt. Diesmal trägt sein Werk klare autobiografische Züge: In der Originalfassung ist Luchetti selbst als Erzähler zu hören – der von Samuel Garofalo gespielte Dario ist eine fiktionalisierte Version seiner selbst als Kind. Das Leben der vierköpfigen Familie wird aus Darios Perspektive geschildert, welche sich in Teilen durch Ernüchterung, in erster Linie jedoch durch Nostalgie auszeichnet. Indem Luchetti für einige Passagen eine Super-8-Kamera nutzt, die er einst geschenkt bekam, und zudem mit 16-mm- und 35-mm-Film arbeitet, erzeugt er gemeinsam mit seinem Stammkameramann Claudio Collepiccolo Bilder der Wärme und der Schönheit.

Das tragikomische Zeit- und Familienporträt veranschaulicht die durchaus fragwürdigen Erziehungsmethoden in den 1970er Jahren. "Wir waren immer da. Schade nur, dass es keiner bemerkte", stellt der Erzähler an einer Stelle lakonisch fest. Wiederholt werden Dario und sein jüngerer Bruder Paolo als Zuschauer der Streitigkeiten sowie der vorübergehenden Versöhnungen ihrer Eltern in Szene gesetzt. Als narrative Klammer dient ein (überaus effektiver) Versuch Darios, sich die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Erwachsenen zu verschaffen. Das Verhalten der Eltern wird zwar nicht beschönigt; die Figuren werden für ihr Handeln aber zu keiner Sekunde verurteilt. Vielmehr lässt sich erkennen, dass auch sie sich in einem coming of age-Prozess befinden: Die Mutter Serena macht im Frankreichurlaub gänzlich neue sexuelle Erfahrungen, der Vater Guido lernt wiederum unter anderem, sich von der eigenen Mutter zu lösen.

In schauspielerischer Hinsicht ist "Anni Felici – Barfuß durchs Leben" ein Genuss. Kim Rossi Stuart – den viele Fernsehzuschauer_innen als Romualdo aus der wunderbaren Märchenreihe "Prinzessin Fantaghirò" kennen dürften – interpretiert den narzisstischen Guido mit Verve. Ohne zur Witzfigur zu verkommen, verkörpert er die Albernheiten der Kunstszene. Der Mutterrolle wird indessen durch Micaela Ramazzotti eine eindrückliche Energie verliehen. Insbesondere der Moment, in dem Serena die Regel ihres Mannes, Arbeit und Liebe stets strikt zu trennen, mit vollem Körpereinsatz bricht, bleibt in Erinnerung.

Fazit: Der Rosenkrieg zwischen einem Künstler und seiner Gattin wird aus Sicht eines der beiden Kinder mit erstaunlicher Einfühlung gezeigt. Ein bittersüßer Sommerfilm über familiäres Glück.




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