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Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik
Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik
© Concorde

Kritik: Die Trapp Familie - Ein Leben für die Musik (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

50 Jahre nach dem Hollywood-Welterfolg "The Sound of Music" kommt eine neue Verfilmung der Geschichte der österreichischen Trapp-Familie in die Kinos. Über diese wurde außerdem auch schon 1956 im Kassenschlager "Die Trapp-Familie" von Wolfgang Liebeneiner erzählt. Die Fallhöhe für das Drama, das der niederländische Regisseur Ben Verbong ("Das Sams") auf Englisch gedreht hat, ist also hoch. Es basiert auf der Autobiografie "Memories Before and After The Sound of Music", die die älteste Trapp-Tochter Agathe mit 90 Jahren veröffentlichte. Die Geschichte führt zurück ins Österreich der 1920er und 1930er Jahre und wird aus der Perspektive der damals 16- bis 24-jährigen Agathe erzählt. Eine Rahmenhandlung verbindet sie mit der Gegenwart, die in Amerika angesiedelt ist, wohin die Trapp-Familie 1938 emigrierte. In beiden Erzählsträngen geht es um die innere Not eines Mädchens, das sich in der Patchworkfamilie des Vaters nicht zurechtfindet.

Eliza Bennett spielt die junge Agathe sehr lebendig, als rührige, aber auch ängstlich-besitzergreifende Tochter. Stiefmutter Maria hat im Gegensatz zu "The Sound of Music" hier nur eine Nebenrolle und die Romantik fällt praktisch unter den Tisch. Der Vater, der ehemalige Marine-Offizier Georg von Trapp, pfeift seine Kinder nicht wie im Hollywood-Musical zum paramilitärischen Appell herbei, sondern wirkt liebevoller und besorgter. Matthew Macfadyen spielt ihn jedoch enttäuschend steif und blass. Agathes Geschwister bleiben pure Statisten. Die amerikanische Rahmenhandlung wirkt oberflächlich abgespult, das häufige Voice-Over der alten Agathe blutarm.

Die Musik steht nicht im Vordergrund, aber wenn die Trapps singen, dann echte Volks- und klassische Lieder, nicht die für den amerikanischen Geschmack entwickelten Kompositionen aus "The Sound of Music". Man merkt dem Film in vielen Bereichen an, wie sehr er um Authentizität bemüht ist: Das betrifft zum Beispiel auch die Dirndl und Trachten, die die Familie trägt. Vor allem aber taucht der Film tief in das gesellschaftliche Klima der Zeit mit dem Erstarken des Nationalsozialismus ein. Die spannende Figur des Trapp-Chauffeurs Konrad (Cornelius Obonya) repräsentiert den Typus des kleinen Mannes, der zum glühenden Hitler-Anhänger und Gegner des alten Establishments, zu dem er die von Trapps zählt, mutiert. Der ambitionierte, realitätsorientierte Film aber schwächelt bei der optimalen dramaturgischen Gewichtung seiner Inhalte.

Fazit: Regisseur Ben Verbong erzählt die Geschichte der legendären österreichischen Sängerfamilie aus der Perspektive der ältesten Tochter. Das Drama setzt sich deutlich von der im Hollywood-Musical "The Sound of Music" verewigten Version ab und stellt die Eifersucht Agathes auf die neue Frau des Vaters in den Vordergrund. Es taucht auch auf spannende Weise in das gesellschaftliche Klima vor dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland im Jahr 1938 ein. Die inhaltliche Vielfalt geht jedoch zu Lasten einer klaren emotionalen Linie.







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