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Erinnerungen an Marnie
Erinnerungen an Marnie
© Universum Film © 24 Bilder

Kritik: Erinnerungen an Marnie (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Gründer des renommierten Ghibli Animationsstudios, Hayao Miyazaki, führt den Roman "Damals mit Marnie: Glückliche Ferien am Meer" von Joan G. Robinson in seiner Liste empfehlenswerter Bücher. So erscheint es nur folgerichtig, dass der Film, der als der vorerst letzte des Studios angekündigt wurde, auf dieser 1967 publizierten Geschichte der britischen Schriftstellerin basiert. Regisseur und Drehbuchautor Hiromasa Yonebayashi ("Arriety – Die wundersame Welt der Borger"), ein Schüler Miyazakis, verlegt die fantasievollen Abenteuer zweier einsamer Mädchen nach Japan.

Die traurige Anna blüht in der Gesellschaft Marnies auf. Auch das blonde Mädchen mit den schönen Kleidern ist sehr viel allein. Zu zweit aber sind die Freundinnen fröhlich und machen das große Haus und seine Umgebung unsicher. Nach und nach erzählen sie sich, was ihnen auf der Seele lastet. So viel Gemeinsamkeit wie mit Marnie hat Anna noch nie gespürt. Die Geschichte erzählt nicht nur von tiefer Einsamkeit, sondern auch davon, wie sie überwunden werden kann. Marnies Schicksal berührt auch andere Menschen in dem kleinen Dorf, eine Malerin, einen schweigsamen Angler, oder das kleine Mädchen, das in ihr Zimmer zieht. Die rätselhafte Geschichte handelt auch von verschütteten Erinnerungen. Wie diese Anna und Marnie verbinden und wie es kommt, dass das blonde Mädchen einer vergangenen Zeit entsprungen zu sein scheint, das wird erst am Schluss verraten. Der dramaturgische Aufbau erweist sich als sehr geschickt: Als Wegweiser dient ihm häufig Annas Intuition, welche tief in die Gefühlslage eines pubertierenden Mädchens eintaucht.

Die wilde Sehnsucht Annas nach dem Ausbruch in eine andere Welt, zusammen mit einer besten Freundin, wird von einem Verlustgefühl begleitet. Die Kindheit geht zu Ende und die Außenwelt wirkt so nüchtern – in ihr ist kein Platz für die eigenen Gefühle. Der Wechsel der Gezeiten vor Marnies Haus spiegelt den Wechsel zwischen Traum und Wirklichkeit in Annas Erleben, das Kommen und Gehen von Gewissheiten, Tränen, Not und Trost.

Die intensive emotionale Stimmung, die das Buch heraufbeschwört, wird auch im Film spürbar, wenngleich in abgemilderter Form. Das liegt vor allem daran, dass der mimische Ausdruck der Zeichentrickfiguren eingeschränkt ist und sie so unscheinbar wirken. Die Hintergründe hingegen sind sehr realistisch gestaltet und schmücken die Zimmer, die Häuserzeilen, Straßen und Landschaften mit lebhaften Farbtupfern. Insgesamt gelingt es dem Film, den Zuschauer mit seinem poetischem Feingefühl zu umgarnen und zu beweisen, dass Marnies Geschichte unsterblich schön ist.

Fazit: Auch als japanischer Zeichentrickfilm entwickelt die von der britischen Schriftstellerin Joan G. Robinson erdachte Geschichte zweier einsamer Mädchen ihren markanten poetischen Zauber. Das Sommerabenteuer am Meer taucht tief in eine Welt voller Geheimnisse ein, in der sich Traum und Wirklichkeit vermischen und die Gefühle wie im Rhythmus der Gezeiten an- und abschwellen.





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