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Tokyo Tribe
Tokyo Tribe
© Rapid Eye Movies

Kritik: Tokyo Tribe (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der japanische Regisseur Sion Sono hat sein Action-Musical Tokyo Tribe nach einem Manga von Santa Inoue gedreht. Das Ergebnis ist eine rauschhafte Orgie der Gewalt, der Neonfarben und des Hip Hop. Ein rappender Erzähler führt durch die Straßen, auf denen sich eines Nachts das Unheil zusammenbraut: Rivalisierende Gangs geraten aneinander und ihr Konflikt zieht immer weitere Kreise. Im Laufe der Stunden werden die Kräfte, von denen die Rapsongs erzählen, von der Leine gelassen und der Film gerät zur musikalischen Gangsta-Leistungsschau, die auch wie eine Essenz aus harten Actionfilm-Stoffen anmutet.

Der Film ist pures Lebensgefühl, eher ein Produkt der Fantasie als der Realität auf den Straßen Tokios. Aber natürlich stand die Wirklichkeit Pate, denn die Yakuzas und ihre kriminellen Geschäfte, Drogen, Prostitution und Gewalt sind nun einmal ein Aspekt der Megacity. Im Film ist die Stadt jedoch surreal, fiktiv verfremdet: Auf den Straßen tobt der Bär, es wird gerappt, gedealt, überall ziehen junge Leute auf der Suche nach Spaß herum, aber jedes Viertel wird von einer Gang regiert, hat seine eisernen Gesetze. Zunächst stellt der Rap-Erzähler die verschiedenen Gangs vor, die in dieser Nacht eine Rolle spielen. Der blonde Anführer Mera mit der coolen Sonnenbrille ist nur einer von vielen gefährlichen Typen. Nkoi zum Beispiel, der mit seinen Indianerzöpfen und den weichen Moves wie ein smarter Junge wirkt, versteht sich als Herrscher über Leben und Tod. Eine Gang besteht nur aus jungen Frauen, eine weitere ist, im Gegensatz zu den anderen, friedliebend.

Und dann ist da noch der Gangsterboss Buppa mit seinem feinen Anzug, den grimmigen Grimassen und der großen Tafel, an der diniert und gemordet wird, wie es ihm gefällt. Die Männerrollen liefern sich einen permanenten Wettkampf in Macho-Posen, wie es den Texten von Rapsongs ja auch entspricht. Und die jungen Frauen sind sexy gekleidet und entweder Lustpüppchen, die Leuten wie Buppa applaudieren, oder in Martial Arts ausgebildet und ziemlich selbstbewusst. Im Laufe der Nacht werden Fights verschiedener Art absolviert, unbewaffnet, mit Schwertern und Schießwaffen, drinnen und auf der Straße. Gegenüber solchen Schauwerten hat die Handlung keine große Bedeutung, vielmehr herrscht dekadente Partystimmung. Der Bilderrausch wird von üppiger Hip-Hop-Musik begleitet. Das Ganze mündet in eine versöhnliche Botschaft, das Macho-Gehabe wird persifliert und der Film gerät zur offenen Liebeserklärung an Tokio. Für Genrefans ist das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein interessantes Vergnügen.

Fazit: Der japanische Regisseur hat eine entfesselte Action-Rap-Orgie inszeniert, die das Lebensgefühl in einer Fantasieversion der Megacity an der Schnittstelle von Jugend, Popkultur und kriminellen Gangs zelebriert. Der bunte Bilderrausch, die Musik, die Machtposen und die Gewalt verdichten sich zu einer eigenartigen, aber stilsicheren sinnlichen Sinfonie.






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