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Happy Welcome
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© Konzept + Dialog. Medienproduktion

Kritik: Happy Welcome (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Dokumentarfilm von Walter Steffen ("Bavaria Vista Club") wurde im Frühsommer 2015 gedreht, also noch bevor der Zustrom syrischer Flüchtlinge die Europäische Union regelrecht in die Krise stürzte. Als Ausdruck deutscher Willkommenskultur intendiert, ist der Film gerade auch in dem zunehmend aufgeheizten gesellschaftlichen Klima dieser Tage zu empfehlen. Denn er lädt zum Innehalten ein und lenkt den Blick auf die Menschen, die ihre ersten Tage und Wochen in Deutschland erleben. Sie eignen sich nicht dafür, als Zielscheibe für politischen Unmut herzuhalten, sondern sind im Gegenteil in ihrer individuellen Unsicherheit auf mitmenschliche Gesten besonders angewiesen. Wenn die ernsten Kinder, aus deren Gesichtern oft erschreckend deutlich Entbehrung und Not sprechen, im Laufe der Clown-Vorführung spontan auflachen, passiert auch mit dem Filmzuschauer etwas.

Die Aha-Erlebnisse werden in diesem Film oft nonverbal vermittelt, was sie nur noch aufwühlender macht. Da ist zum Beispiel diese kleine Spielszene, in der sich eine hungrige, beim Essensdiebstahl ertappte Clownfrau bei den Kindern im Publikum versteckt. Die Jungen und Mädchen stellen sich buchstäblich vor sie, versuchen, die anderen Clowns mit Gesten und Rufen auf Abstand zu halten. So simpel können einem Kinder, die nicht sorglos aufgewachsen sind, ein wenig Nachhilfe in Solidarität und Mitgefühl geben. Auch ein paar Helfer, die sich auf andere Weise engagieren, berichten von ihren Erlebnissen. Die Leiterin einer Erstaufnahme-Einrichtung erzählt, dass ihr beim Abschied ein kleiner Junge, der sich ja im Grunde auf den Umzug in eine richtige Wohnung freute, weinend um den Hals fiel. Wem so etwas widerfährt, der weiß, dass er Gutes tut.

Walter Steffens Film kam durch Sponsoring und Crowdfunding zustande, was auch eine große gestalterische Unabhängigkeit ermöglicht. Die Flüchtlinge selbst kommen nicht zu Wort, sondern werden vor allem während der Aufführungen beobachtet. Aber ein paar Mal erzählen Kinderstimmen aus dem Off von individueller Flucht und Vertreibung, während die dazugehörigen Zeichnungen auf dezente Weise animiert werden. Andere Regieeinfälle sind weniger geglückt, etwa die gelegentlichen Texteinblendungen mit ihren Statistiken oder Auszügen aus der Menschenrechtscharta von 1948. Auch plädiert der Film zu pauschal und undifferenziert an die gesellschaftliche Bereitschaft, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Dabei zeigen die Bilder gerade so eindrucksvoll, dass es in der individuellen Begegnung mit einem Flüchtling nicht auf die politische, sondern allein auf die menschliche Einstellung ankommt.

Fazit: Wenn die "Clowns ohne Grenzen" ein Lächeln in die Gesichter von Flüchtlingen in Deutschland zaubern, wird das Filmpublikum in ein nicht alltägliches Gemeinschaftserlebnis einbezogen. Der bewegende Dokumentarfilm beweist oft auch ohne Worte, wie wichtig die Begegnung mit zugewandten Einheimischen für die Neuankömmlinge ist.




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