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Horsehead - Wach auf, wenn du kannst...
Horsehead - Wach auf, wenn du kannst...
© Drop-Out Cinema eG

Kritik: Horsehead - Wach auf, wenn du kannst... (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In diesem blutigen, verstörenden Horrortrip, mit dem der französische Regisseur Romain Basset sein Spielfilmdebüt gibt, ist auf die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit kein Verlass. Eine junge blonde Frau versenkt sich immer tiefer in eine symbolisch aufgeladene Vorstellungswelt, die auf ein verdrängtes Familiengeheimnis hinweist. Der stilistisch beeindruckende Film setzt weniger auf eine plausible Geschichte, als auf die Urkraft von Bildern, die um Sünde, Schwangerschaft und Strafe kreisen. Weil es davon so viele gibt, wirkt der Film auch wie ein Album klassischer Albtraummotive.

Jessica hält sich an die Anweisungen ihres Professors, der aus dem Off über die Arbeit mit Träumen referiert. Sie soll versuchen, ihren Traum zu kontrollieren. Das Motiv des Pferdes, sagt der Experte, könne Verschiedenes bedeuten: Vielleicht repräsentiert es den Archetyp der Mutter, oder es stellt einen Begleiter ins Jenseits dar. In Jessicas Traum könnte die Menschengestalt mit dem haarlosen Pferdekopf sogar für beides stehen, denn es geht darin um die Botschaften der Großmutter, die sich aus dem Fenster gestürzt hat. Jessica fürchtet sich zwar vor den Träumen, lässt sich aber auch voller Forschungsinteresse auf sie ein. Für ihre Entdeckungsreise bietet die mittelalterliche Kleinstadt am Ufer eines Flusses eine stilvolle Kulisse.

Jessica wird tief hineingezogen in archaische Wechselbilder: Menschen können zärtlich sein, dann verziehen sich ihre Gesichter zu Fratzen, sie sprechen böse Worte, denen noch schlimmere Taten folgen. Das Horrorwesen mit dem Pferdekopf sticht mit einer Lanze einer jungen Frau in den Leib. Der bedrohliche, strafende Aspekt der Religion spielt eine wichtige Rolle. Und ein Abstellraum, in dem Kinderspielzeug aufbewahrt wird und vielleicht auch noch etwas anderes.

Schnell geschnittene Aufnahmen säen alarmierende Hinweise, die Albträume geraten zur Schnitzeljagd. An anderen Stellen nimmt sich die Inszenierung aber auch Zeit, um in romantische Visionen einzutauchen: Dann schwimmt Jessica zum Beispiel, mit einem weißen Hemdchen bekleidet, in der Dunkelheit unter Wasser, direkt auf die nächste Botschaft zu. Die Musik passt in ihrer oft monotonen Bedrohlichkeit zu diesem schwarzen Fest der Albträume, das so schwelgerisch an das abgründige Potenzial des menschlichen Geistes erinnert.

Fazit: Der stilistisch beeindruckende Horrorfilm aus Frankreich versenkt sich in die Albträume einer jungen Frau, in denen eine geheime Familiengeschichte ans Licht drängt. Die vielen archaischen Symbole für Geburt und Tod, Religion und Natur, Liebe und Gewalt summieren sich zu einem Album der Genremotive, das mit seiner suggestiven Kraft zu fesseln vermag.




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