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Horse Money
Horse Money
© Sociedade Óptica Técnica

Kritik: Horse Money (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In diesem Film des portugiesischen Regisseurs und Drehbuchautors Pedro Costa gehört die Dunkelheit in jedes Bild. Sie nimmt oft etwa die Hälfte der Aufnahme ein – als konstante Dauerbegleiterin des Hauptcharakters Ventura. Was der alte afrikanische Migrant in Portugal erlebt hat, was er denkt, das weiß so gut wie niemand. Die Existenz der armen, fremden Arbeiter aus den ehemaligen Kolonien spielt im Bewusstsein der Gesellschaft kaum eine Rolle. So stellt sich der Mann im Alter selbst die Frage, ob er sich nicht abhanden gekommen ist, ob ihn noch etwas mit der Außenwelt verbindet. Erinnerungen und Fantasien vermischen sich zu einem wilden Theater seines Geistes, während das Treiben in der fast menschenleeren Klinik apathisch und von ihm selbst abgeschnitten wirkt.

Ventura ist, wie auch einige weitere Darsteller, eine reale Person, die sich selbst spielt. Er wohnte im Lissaboner Armenviertel Fontainhas, in dem sich die afrikanischen Migranten ihre Häuser selbst errichteten, und spielte bereits in früheren Filmen von Costa mit. Fontainhas wurde Anfang des neuen Jahrtausends abgerissen. Ventura erlebte in den siebziger Jahren die Diktatur des Estado Novo, dann die Nelkenrevolution. Durch seine Erinnerungen geistern Soldaten, er begegnet einem, der zur Bronzeskulptur erstarrt scheint, im Klinikfahrstuhl. Manchmal singt Ventura ein Lied, das von den afrikanischen Arbeitern erzählt, die ins Land kamen und in feuchten Mauern hausen müssen, betrogen vom "weißen Bruder". Costa pflegt seine Hauptdarsteller in die Entstehung des Films einzubinden, greift ihre Themen und Ideen auf.

Die Dunkelheit der teils unterirdischen Gänge, die Ventura gerne aufsucht, ist eine Metapher für die Einsamkeit, die diesen Migranten zu schaffen macht. Wenn Ventura sein Leben interpretiert, muss er oft auf Fantasien zurückgreifen. So weiß auch der Zuschauer nicht, welcher Version er glauben soll. Hat Ventura jemanden mit einem Messer angegriffen? Wie echt ist diese Nervenklinik? Gesprächsfetzen drängen sich Ventura auf, er erlebt den Moment wieder, als er das Lohnbüro mit weniger Geld als erwartet verlässt. Die Erinnerung rückt auch Dinge in den Vordergrund, die den Blick ablenken und trüben.

"Horse Money" entzieht sich der normalen Logik, spricht die tieferen Gefühle an, wirkt trotz seiner leeren Räume, der ruhigen Einstellungen zerrissen und getrieben. Ventura hört nicht auf, zu suchen und an seine Heilung zu glauben. Ein Mensch zweiter Klasse zu sein, ist eine Bürde, die den Verstand zu erdrücken droht.

Fazit: Ein alter afrikanischer Immigrant, der zum Arbeiten nach Lissabon kam, ist in einer Nervenheilanstalt mit seinen Erinnerungen allein. Wie sein Geist mäandert auch der Kunstfilm von Pedro Costa zwischen Fantasie und Wirklichkeit, Dunkelheit und Licht, Außen- und Innenwelt. Sozialkritik und kreative Ausdruckskraft ergeben eine interessante Kombination, die das Rätselhafte betont.





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