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Private Revolutions - Jung, Weiblich, Ägyptisch
Private Revolutions - Jung, Weiblich, Ägyptisch
© Daniela Praher Filmproduktion

Kritik: Private Revolutions - Jung, Weiblich, Ägyptisch (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Als große Stärke von Alexandra Schneiders Dokumentarfilm lässt sich gleich zu Beginn ausmachen, dass die Regisseurin vier sehr unterschiedliche Frauen porträtiert und somit zugleich komplexe Einsichten in die politische Lage Ägyptens gewährt. Denn während ihr Engagement die Protagonistinnen durchaus eint, so kämpfen sich doch für vollkommen unterschiedliche Ziele, die sich bisweilen unvereinbar entgegenstehen. So wenig sich die Staatskrise Ägyptens anhand eines simplen Schwarz-Weiß-Schemas erfassen lässt, so vielfältig und bisweilen paradox erzählen die Einzelschicksale der vier Ägypterinnen von der Situation in ihrer Heimat.

Kurzweilig und aufschlussreich stellt "Private Revolutions" seine Aktivistinnen sowie deren Wünsche und Hoffnungen vor und zeigt dabei eindrucksvoll wie sich Politik und Privatleben auf mannigfaltige Art durchkreuzen. Schneider begleitet etwa eine Mutter, die gemeinsam mit ihren Kindern auf dem Tahrir-Platz für ihre Rechte demonstriert, und welche Konsequenzen das für das Leben der jungen Sharbat hat: Denn nicht nur bei der Nachbarschaft stößt der unbeirrbare Kampfgeist der Frau auf Unverständnis, auch ihr Mann kann mit dem politischen Engagement seiner Gattin nur wenig anfangen. Doch der Frust angesichts dieser Ignoranz und einer nervenzerrenden Ehekrise scheint Sharbat nur weiter dazu anzutreiben, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen.

Interessant ist auch, wie sich die Rolle des Kamerateams um Schneider immer wieder wandelt und die Illusion eines neutralen Beobachtens entlarvt wird. Während die Anwesenheit der ausländischen Crew dafür sorgt, dass eine Aktivistin auf offener Straße von ihren Mitmenschen böse angefeindet wird, bricht eine andere Protagonistin, eine Wahlkampfunterstützerin der Muslimbrüder, die Zusammenarbeit mit der Filmemacherin plötzlich ab. Und als der kleine Laden der Verlegerin Amani niedergebrannt wird, kann es sich die Regisseurin nicht verkneifen vor die Kamera zu treten und der verzweifelten Ägypterin tröstend mit der Hand zu tätscheln. Ebenso dürfte es dem Publikum schwer fallen angesichts der hier dokumentierten Geschichte anteilnahmslos zu bleiben.

Fazit: Dieses vielschichtige Porträt weiblichen Aktivismus erlaubt komplexe Einblicke in die gesellschaftliche und politische Lage Ägyptens. Ebenso kurzweilig wie aufschlussreich inszeniert die Filmemacherin Alexandra Schneider die mitunter sehr bewegenden Geschichten ihrer vier unterschiedlichen Protagonistinnen.




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