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Die Gewählten
Die Gewählten
© dejavu filmverleih

Kritik: Die Gewählten (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Sebastian Körber hat sich verlaufen. Im Jakob-Kaiser-Haus verliert der 29-jährige Architekt schon einmal den Überblick. Im größten Parlamentsneubau an der Spree, der 60 Prozent der Abgeordnetenbüros beheimatet, hat auch Körber seinen neuen Arbeitsplatz. Den vier anderen frisch in den Bundestag Gewählten ergeht es ähnlich. Sie alle sind im wörtlichen oder im übertragenen Sinn zu Beginn des Dokumentarfilms ein wenig orientierungslos. Doch ist die anfängliche Verwirrung erst einmal überwunden, stürzen sie sich voller Tatendrang in ihre neue Tätigkeit.

Nancy Brandt hat die Neulinge dabei begleitet, zeigt ihre Aufgaben in Kommissionen und Ausschüssen, ihre ersten Reden und Medienauftritte und ihre Besuche in den Wahlkreisen. Der Legislaturperiode entsprechend hat die Filmemacherin "Die Gewählten" in vier Kapitel eingeteilt. Auf einen Kommentar verzichtet die Regisseurin, fragt aus dem Off nach, wenn nötig. In Gesprächen mit Brandt ziehen die Protagonisten immer wieder Resümee. Manche geben sich selbstbewusst, andere rastlos, wieder andere nachdenklich. Politische Einschnitte auf Länder- und Bundesebene hinterlassen ihre Spuren. Nicht bei allen führt das zur (nötigen) Reflexion. Während Steffen Bilger (CDU) aus dem baden-württembergischen Regierungswechsel von Schwarzgelb zu Rotgrün seine Lehren zieht, das Verhältnis seiner Partei zur Basis hinterfragt, spricht Sebastian Körber (FDP) über den verpassten Einzug seiner Liberalen in den achtzehten Bundestag kein kritisches Wort.

In seinen besten Momenten macht "Die Gewählten" die politische Arbeit ein Stück weit transparenter, rückt sie aus den Hinterzimmern ins öffentliche Licht. Es ist eine Arbeit, die viel Kompromissbereitschaft, Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit erfordert. Eine komplexe Arbeit, die der Film allerdings nur in Ansätzen begreifbar macht. Durch die Absicht, Politiker aus allen fünf Fraktionen abzubilden, kommen die Etappen ihrer Arbeit zu kurz. Wie beispielsweise eine Enquetekommission konkret funktioniert, bleibt bei aller Transparenz auch ein gutes Stück schleierhaft.

Wie sehr dieser Job auch an die Nieren geht, lässt sich aufgrund der begrenzten Zeit, die den fünf Protagonisten vor der Kamera bleibt, ebenfalls nur erahnen. Zumal einen das Gefühl beschleicht, als hielten sich die Abgeordneten vor der Kamera zurück. (Und wer wollte es ihnen verübeln?) Diese Zurückhaltung beruht letztlich auf Gegenseitigkeit. Der Draht zu den Nachwuchspolitikern fehlt. Als es am Ende darum geht, ob sich die Gewählten bei der Bundestagswahl erneut durchsetzen, fiebert das Publikum mit den Protagonisten - wie schon den gesamten Film über - nicht recht mit.

Fazit: "Die Gewählten" ist ein ambitionierter Dokumentarfilm, der die mühevolle politische Arbeit etwas verständlicher macht, für einen einzigen Film jedoch zu viele Protagonisten und zu viele Themen bereithält. Dadurch geht der Fokus
letztlich etwas verloren.




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