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Faberge: Ein Eigenleben
Faberge: Ein Eigenleben
© Starlounge TV

Kritik: Faberge: Ein Eigenleben (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Fabergé: Ein Eigenleben" folgt einem streng chronologischen Aufbau. Nach einer knappen Exposition, die die Firmen- und Familiengeschichte des berühmten Schmuckherstellers als "abenteuerliche Reise" ankündigt und eine kurze Vorausschau wagt, geht es zurück zu den Anfängen. Der Dokumentarfilm nimmt die Jugend Peter Carl Fabergés im St. Petersburg der 1850er Jahre als Ausgangspunkt und reicht bis in die Gegenwart. Aus dem Off trägt der britische Schauspieler Samuel West mit getragener Stimme die Fakten vor. Dazu ertönt nahezu fortwährend klassische Musik, meist unaufdringlich, manchmal mit Nachdruck. Ergänzt werden Wests Ausführungen von zahlreichen Interviewpartnern. Regisseur Patrick Mark hat Historiker, (Schmuck-)Experten und Nachfahren, Sammler, Händler und Auktionatoren vor der Kamera versammelt.

Unter all die Stimmen mischt Mark Archivmaterial aus der gerade auf der Leinwand behandelten Epoche. Er zeigt Fotos der Zarenfamilie, Filmaufnahmen Lenins, Zeitungsausschnitte, Nachrichtenbeiträge oder Werbespots. Wo keine Archivaufnahmen vorhanden sind, fügt die Doku Zeichnungen ein. Doch die eigentliche Hauptrolle spielen die Schmuckstücke. Der Zuschauer lernt viel über die Fertigung der Unikate und darüber, wie diese zu begehrten Sammlerstücken wurden.

Die Kostbarkeiten präsentiert Patrick Mark mit viel Sinn für Ästhetik. Nur das Abgebildete ist im Fokus, der Rest verschwimmt in der Unschärfe. Immer wieder fährt die Kamera ganz nah heran, streift an den Preziosen entlang und zeigt die ganze Eleganz ihrer Handwerkskunst in gestochen scharfen Detailaufnahmen. Um sie von allen Seiten betrachten zu können, drehen sich die Objekte der Begierde dabei häufig im Kreis.
Mit seinen Interviewpartnern verfährt Mark auf ähnliche Weise. Die Orte, an denen sie zu Wort kommen, sind stets mit Bedacht gewählt. Hier wimmelt nichts, das vom Aussagenden ablenken könnte. Die Anzahl der Farben und Gegenstände ist auf ein Minimum reduziert. Der Vordergrund ist Hochglanz, der Hintergrund taucht in der Unschärfe ab.

Das erinnert in seiner Machart stark an Fernsehdokus für History-Kanäle oder Filme, die eine Ausstellung in einem Museum ergänzen. Die Oberflächenästhetik und die gefällige, wenig reflektierte Erzählweise lassen einen hingegen eher an einen Werbefilm oder ein Verkaufsvideo denken. Und es verwundert kaum, dass Patrick Marks Produktionsfirma neben Dokumentarfilmen für Kino und Fernsehen auch Werbefilme und Filme für die Unternehmenskommunikation dreht.

Kritische Worte sind "Fabergé: Ein Eigenleben" fremd. Zwar macht der Film keinen Hehl daraus, dass Fabergé seinen Erfolg in erster Linie dem russischen Zaren zu verdanken hatte. Auch dass die Zarenfamilie im Luxus schwelgte, während das eigene Volk verhungerte, verschweigt der Film nicht. Dass Peter Carl Fabergé als Profiteur der zaristischen Monarchie seinen Wohlstand folglich ebenfalls - zumindest in Teilen - auf der Armut des Volkes gründete, wird hingegen mit keinem Wort erwähnt.

Alle angeführten Experten sind sich über die Qualität der präsentierten Schmuckstücke einig. Ob deren heute erzielte Preise überteuert und einem Hype geschuldet sein könnten, wie er etwa seit Langem auf dem Kunstmarkt zu verzeichnen ist, ist ebenso wenig Thema der Doku wie ein Vergleich mit der Kunst anderer zeitgenössischer Juweliere. Kritik kommt in "Fabergé: Ein Eigenleben" allerhöchsten an der Tatsache auf, dass die Marke während ihrer Zeit als Kosmetikkonzern verwässerte. Doch damit ist seit 2009 Schluss. Seit ein Konsortium die Namensrechte zurückkaufte, steht Fabergé wieder für puren Luxus. Wie Patrick Mark diese (glückliche) Wendung präsentiert – nicht zuletzt das hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Fazit: Was "Fabergé: Ein Eigenleben" sehenswert macht, ist eine Faszination für die Schönheit der Schmuckstücke und für die Feinheit ihrer Schmiedekunst. Diese sind auch heute noch unbestreitbar. Am Ende wirkt das alles jedoch viel zu sehr wie ein Werbefilm, der allzu gediegen daherkommt und an der glänzenden Oberfläche verharrt, anstatt kritisch und analytisch in die Tiefe zu gehen.





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