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FBW-Bewertung: Split (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: 17 Jahre nach THE SIXTH SENSE gelingt M. Night Shyamalan ein neues grandioses Meisterwerk. SPLIT nimmt die Hauptmotive seiner bisherigen Filme und verdichtet sie zu einer fesselnden und zeitweise an den Nerven zehrenden Story. Das Spiel mit demÜbersinnlichen in seinen Filmen tritt dabei etwas zurück, thematisch stößt der Regisseur in eine neue Dimension vor. Sein Name muss nun endgültig in einer Reihe mit den Namen von Wes Craven oder David Cronenberg genannt werden, den großen Erneuerern des Genres im amerikanischen Independent-Kino. Wie seine Vorbilder inszeniert er dabei auch eine hochaktuelle gesellschaftliche Parabel. SPLIT hält einer liberalen, narzisstischen Gesellschaft den Spiegel vor, die überfordert ist, den Wolf im Menschen zu bändigen.

Der spannende Psychothriller bedient alle Erwartungen der Fans des Genres. Er vereint den subtilen Suspense eines Hitchcocks virtuos mit Konventionen des Horrorfilms, um psychische und blutige Gewalt auszustellen. Jede Szene ist künstlerisch bis aufs i-Tüpfelchen durchdacht und sorgfältig inszeniert. Getragen wird der Film von der Neuentdeckung Anya Taylor-Joy als entführtes Mädchen, die ihrem Peiniger die Stirn bietet, und von James McAvoy, der eben jenen Peiniger grandios spielt. Mühelos schlüpft er innerhalb einerSzene in verschiedene Identitäten eines Menschen und zeigt unterschiedliche Gemütslagen. ?Sein? Crumb hält drei entführte Teenagerinnen in einem Keller gefangen. Nur die von Anya Taylor-Joy gespielte Casey kann ihre Angst und Panik in Widerstand umwandeln, weil sie ebenso wie Crumb in der Kindheit ein schweres Trauma erlitten hat. Er leidet seitdem unter einer dissoziativen Identitätsstörung. Die Patienten haben abwechselnde, unterschiedliche Vorstellungen von sich selbst. Die verschiedenen Persönlichkeiten übernehmen wechselweise die Kontrolle über das Verhalten. Crumb wechseltzwischen 23 Identitäten. Alle leiden unter der Angst vor Kevin, seiner 24. Identität.

Seine Therapeutin nimmt die beunruhigenden Zeichen wahr, dass das labile Gleichgewicht Crumbs ins Wanken geraten ist. Doch ihr Ehrgeiz, die Krankheit wissenschaftlich zu beschreiben, und ihr Glaube an Heilung aller Leiden, Inklusion und den Sieg moralischer Werte in einer demokratischen Gesellschaft lassen sie alle Warnzeichen ausblenden. So trägt sie zusätzlich zur Katastrophe bei.
Es ist dem Zuschauerüberlassen, den Film als brillanten Psychothriller zu genießen. Auf der zweiten Ebene bietet Shyamalan allerdings zusätzlich verschiedene Deutungsmöglichkeiten und Denkanstöße an ? zum Beispiel zur Resilienzdiskussion, der Wiedereingliederung von traumatisierten Menschen in die Gesellschaftund das Leben mit psychisch Erkrankten. Der Film legt auf der Metaebene auch den Finger in die Wunden einer demokratischen Gesellschaft, die von physischer und psychischer Gewalt bedroht wird und um Antworten ringt. Diese können nicht so simpel sein, wie manch Politiker das propagiert. Das konsequente Ende seines Films macht das deutlich.




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