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Staatsdiener
Staatsdiener
© Zorro Film © 24 Bilder

Kritik: Staatsdiener (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es sind faszinierende, mitunter absurd wirkende Szenen mit denen die Filmemacherin Marie Wilke in die Welt einer deutschen Polizeiakademie einführt. Vor der meist statischen Kamera üben die angehenden Polizeibeamten eine ganze Reihe von Handlungsweisen ein, die sie später Tag für Tag in ihrem Beruf ausführen müssen. Die Handgriffe zur Selbstverteidigung, das Einnehmen der Truppenformation, das Trommeln mit Knüppeln auf die breiten Plastikschutzschilde, das Zusammensetzen der Schusswaffe – all das wirkt wie eine choreografierte Performance, die im geschützten Raum der Polizeischule erst einmal mehr Kunstcharakter als praktischen Nutzen aufweist.

Erst in der zweiten Hälfte von "Staatsdiener" wird der ernste Hintergrund dieser Aktionen deutlich, wenn die jungen Polizisten ihren Dienst antreten und das Gelernte im aufreibenden Berufsalltag anwenden sollen. Ohne einen Kommentar aus dem Off begleitet Marie Wilke über den Zeitraum von einem Jahr eine Gruppe von jungen Menschen, die meist namenlos bleiben. Nach und nach treten jedoch aus den wiederkehrenden Gesichtern zwei Protagonisten hervor, ein junger Mann mit Migrationshintergrund und vor allem aber eine äußerst idealistische Polizeianwärterin. Die zierliche Frau hinterfragt immer wieder das Selbstverständnis der Polizei und diskutiert mit ihren Kollegen leidenschaftlich über die moralischen Grundsätze ihrer Arbeit.

Vor allem dank dieser interessanten Figur und der sorgsamen Inszenierung gelingt "Staatsdiener" das komplexe Porträt einer Berufsgruppe im Spannungsfeld von Idealismus, Konformität, Rationalisierung und alltäglichen Blicken in gesellschaftliche Abgründe. Dass einige der späteren Szenen redundant erscheinen und die Dramaturgie zum Ende hin deutlich durchhängt, lässt sich in Anbetracht der unbestreitbaren Qualitäten (dazu zählt auch das stimmige Sounddesign) des Dokumentarfilms leicht verkraften.

Fazit: Marie Wilke ist ein ebenso faszinierender wie vielschichtiger Blick auf den Alltag an einer deutschen Polizeiakademie gelungen. Trotz einiger dramaturgischer Schwächen versteht es der sorgsam inszenierte Dokumentarfilm, wichtige Fragen aufzuwerfen und zu einer Auseinandersetzung anzuregen.





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