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Toilet Stories
Toilet Stories
© Dualfilm Verleih

Kritik: Toilet Stories (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Spielfilmdebüt von Sören Hüper und Christian Prettin ist eine Independentproduktion, die statt der gewohnten Mittel der Filmförderung mit Hilfe von Crowdfunding entstand. Die fünf Episoden dieser bitterbösen Komödie über moralische und menschliche Abgründe verbindet in erster Linie ihr ungewöhnlicher Schauplatz: Alle bestehen nämlich aus kammerspielartigen Begegnungen von jeweils zwei oder drei Charakteren auf Toiletten. Menschen, die zunächst einen unbescholtenen Eindruck machen, entpuppen sich als Betrüger, Opportunisten oder Schwerverbrecher.

Die Nähe zur Realität ist tendenziell in allen Geschichten, die im ständigen Wechsel erzählt werden, zu spüren. Das Verkaufsgespräch zwischen dem eloquenten Geschäftsmann und der alten Dame wirkt zum Beispiel sehr authentisch – man kennt ähnlich dreiste Dialoge und Strategien entweder aus eigener Konsumenten-Erfahrung oder vom Hörensagen. Auch die Episode, in der es um das medizinisch perfekte Vertuschen von Doping geht, ist in Anbetracht der Medienpräsenz des Themas sicher nicht weit hergeholt. Anders sieht es dann allerdings in der Geschichte aus, die mit einer Attacke zweier gewalttätiger Jugendlicher auf einen Mann noch glaubhaft beginnt, dann aber ins Bizarre abrutscht, als das Opfer grausam zurückschlägt. Ähnlich düster und noch eine Spur gruseliger gerät die Episode mit dem Mann, der einem Unbekannten durch die Toilettenwand beichtet, dass er seit vielen Jahren jemanden im Keller gefangen hält. Die Unterhaltung der beiden wohlhabenden jungen Frauen ist wiederum fast schon zu normal, um richtig fesseln zu können. Man fühlt sich oft an den ähnlich aufgebauten, bissigen Rachefilm "Wild Tales" aus Argentinien erinnert, allerdings klappt es hier in Hamburg weder mit dem komödiantischen Timing, noch ganz generell mit dem augenzwinkernden Schalk. Die Erzählweise ist vielmehr bemerkenswert trocken und auch ziemlich frei von Höhepunkten.

Die Handlung ist denkbar simpel inszeniert: Die zumeist statische Kamera nimmt die einzelnen Schauspieler ins Visier und diese machen oft ebenfalls einen etwas amateurhaften, mechanischen Eindruck. Dazu erklingt gelegentlich Musik. Witziger wirkt da die Einführung, in der die verschiedenen Charaktere mit einer kurzen Szene und einem Einzeiler-Text vorgestellt werden. Der Epilog hingegen, der sechs Monate später eine Verbindung zwischen den Personen herstellt, ist ziemlich überflüssig. Mehr als eine skurril-minimalistische Fingerübung wird dem Zuschauer insgesamt nicht geboten.

Fazit: Die deutsche Komödie über unmoralische und gefährliche Zeitgenossen spielt fast gänzlich in Toilettenräumen. Außer der Originalität des Schauplatzes und der Realitätsnähe einiger Themen haben die bissig gemeinten Episoden aber nicht gerade viel Interessantes zu bieten.





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