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Duke of Burgundy
Duke of Burgundy
© Rook Films © Pioneer Pictures

Kritik: Duke of Burgundy (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Filmtitel "Duke of Burgundy" ist komplett irreführend, wie so einiges mehr in dieser wunderbar verträumten Geschichte. Denn es kommt darin kein einziger Mann vor. Der "Duke" bezeichnet vielmehr eine Schmetterlingsart, die den deutschen Namen "Schlüsselblumen-Würfelfalter" trägt, und verweist auf die Insektenforschung der beiden Protagonistinnen. In ihrer aus der Zeit gefallenen Villa auf dem Land gibt es unzählige aufgespießte Nachtfalter und Raupen, aber auch das ist für die eigentliche Handlung nicht von Bedeutung. Denn diese dreht sich allein um die von den masochistischen Neigungen Evelyns geprägte Liebesbeziehung der Frauen. Der britische Filmemacher Peter Strickland ("Berberian Sound Studio") entzückt mit dieser mehr in der Fantasie-, als in der realen Welt angesiedelten Geschichte die Sinne und lässt der lustbetonten Vorstellungskraft Flügel wachsen. Die von feinem Humor und überraschenden Volten geprägte Handlung treibt in der ländlichen Abgeschiedenheit gemächlich dahin.

Das Ungewöhnliche an der Beziehung von Cynthia und Evelyn ist, dass nur eine von beiden sadomasochistische Erotik liebt. Die devote Evelyn wird hier, anders als es das Klischee will, als die Regisseurin der Beziehung gezeigt. Wie sehr sie die arme Cynthia in Wirklichkeit dominiert, offenbart sich erst nach und nach und mit trockenem Humor. Der Film lotet die verschiedenen Facetten dieser Liebe sehr spannend aus. Es gibt auch eine Ebene, die von Zärtlichkeit und einem offenen Kontakt auf Augenhöhe geprägt ist. Aber immer wieder prescht Evelyn mit ihren speziellen Begierden vor, ohne die leisen Anzeichen von Missmut bei Cynthia ernst zu nehmen. Sidse Babett Knudsen spielt Cynthias stillen Widerstreit der Gefühle sehr authentisch und mit dezenter Komik.

Strickland lässt die Fantasie wie die dicken, in Zeitlupe auf ihrem Flug durch die Nacht aufgenommenen Falter herumtaumeln. Die alte, weinumrankte Villa mit ihrem gediegenen Mobiliar, der herbstlich gefärbte Wald, Accessoires wie eine mechanische Schreibmaschine und eine Petroleumlampe ergeben ein sehr ansprechendes Ambiente. Es schwankt zwischen wohlig und morbide und signalisiert, dass die Frauen kein Weckruf aus der vermutlich moderneren Außenwelt stören wird. Manchmal gibt es auch surreale Einschübe: Im weiblichen Publikum der Vorträge, die Cynthia hält, sitzt auch die eine oder andere Schaufensterpuppe. Dann wieder formt das Licht Muster, die vom Realen ablenken, oder die Schmetterlinge vermehren sich zur Invasion. Einen inhaltlichen Sinn ergibt das nicht, aber diese Rätselhaftigkeit sorgt für eine schwebeleichte, im Kern vergnügte Stimmung.

Fazit: Versponnen, romantisch, witzig: Diese filmische Fantasie von Peter Strickland über eine Frauenbeziehung, die mit sadomasochistischen Spielen experimentiert, ist ein opulentes Abenteuer für die Sinne.





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