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Silent Heart - Mein Leben gehört mir
Silent Heart - Mein Leben gehört mir
© Movienet © 24 Bilder

Kritik: Silent Heart - Mein Leben gehört mir (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Erst letzte Woche startete Thomas Stubers Drama "Herbert" in den deutschen Kinos, das ebenfalls von einem an Amyotropher Lateralsklerose (kurz: ALS) erkrankten Menschen erzählte und dessen letztes Lebensjahr begleitete. Der dänische Regisseur und Oscar-Preisträger Bille August ("Pelle der Eroberer" 1989) nutzt die gleiche Ausgangssituation nun, um einen thematisch sowie tonal doch ganz anderen Film zu zeigen: "Silent Heart – Mein Leben gehört mir", wie die Produktion kämpferisch und etwas geschwätzig im Deutschen heißt, unterscheidet sich nicht bloß durch seine Protagonistin Esther deutlich vom rauen "Herbert", sondern erweist sich allgemein als zugänglicher und nicht ganz so schwere Kost.

Allein schon durch den Handlungsort, ein großzügiges Anwesen an der dänischen Küste, das wie entrückt wirkt von harschen gesellschaftlichen Realitäten und denen des Alltags, wird Augusts behutsamer Ansatz deutlich. Im Zentrum steht ganz das menschliche Miteinander einer bürgerlichen und recht behüteten Familie, die nun mit der tödlichen Krankheit der Mutter konfrontiert wird und dabei nach und nach an ihre Grenzen stößt. Dabei setzt Bille August nicht auf die unbequeme Wucht, wie sie Stuber in "Herbert" entfalten konnte, sondern erzählt meist leise und nachdenklich vom Schicksal seiner Hauptfigur.

Subtil geht der Filmemacher dabei allerdings nicht vor, sein Drama ist ein konventioneller, mitunter manipulativer Tränendrücker, der dank der starken Schauspieler, allen voran Ghita Nørby, dennoch zu gefallen weiß. Ebenso kann die Kameraarbeit von Dirk Brüel überzeugen, die die Innenräume des Hauses mit großartigen Aufnahmen der weiten Landschaft Dänemarks kontrastiert.

So könnte man den soliden "Silent Heart" nach Augusts misslungener Bestsellerverfilmung "Nachtzug nach Lissabon" (2013) eigentlich als eine kleine Rückkehr zur alten Form des Regisseurs werten. Allerdings trübt eine dramatische, dabei völlig unnötige Wendung des Film im letzten Drittel diesen Eindruck nachhaltig und raubt der tragischen Geschichte doch einiges an Kraft und Glaubwürdigkeit.

Fazit: Bille Augusts Drama ist ein konventioneller, solide inszenierter Tränendrücker, der besonders dank Dirk Brüels gelungener Kameraarbeit und den starken Schauspielern zu gefallen weiß. Eine unnötige Wendung im letzten Drittel raubt dem ruhigen Film jedoch einiges an Kraft und hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.





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