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Kritik: Queen of Earth (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Es beginnt mit einem dramatischen Tränenfluss und endet mit einem höchst befremdlichen Lachen: "Queen of Earth" von Alex Ross Perry ist ein Film der extremen Gefühlslagen. Die ersten Bilder zeigen die Protagonistin Catherine in Großaufnahme – mit verlaufener Schminke und einem Blick, der zwischen Trauer, Wut und Verzweiflung changiert. Catherines Freund, welcher just in diesem Moment die gemeinsame Beziehung endgültig für beendet erklärt, bleibt weitgehend im off. Auch im weiteren Verlauf der Handlung lösen Perry und sein Kameramann Sean Price Williams die Dialoge zwischen den Figuren meist nicht auf herkömmliche Weise nach dem Schuss-Gegenschuss-Prinzip auf, bei welchem die Gesprächspartner_innen stets abwechselnd erfasst werden. Das Duo findet stattdessen immer wieder interessante Wege, die gestörte Kommunikation zwischen den Beteiligten visuell zu vermitteln. An einer Stelle wird bravourös demonstriert, dass Catherine und ihre (vermeintlich) beste Freundin Virginia nicht miteinander reden, sondern vielmehr nebeneinanderher monologisieren.

"Queen of Earth" ist unverkennbar die Schöpfung eines Cinephilen; es lassen sich etliche Bezüge zu Meisterstücken der Filmhistorie – von Roman Polanskis "Ekel" (1965) über Ingmar Bergmans "Persona" (1966) bis hin zu Rainer Werner Fassbinders "Die Ehe der Maria Braun" (1979) – herstellen. Gleichwohl ist Perrys Psychodrama nicht nur eine Hommage auf die genannten Kino-Virtuosen: Die Sogkraft des Werks entwickelt sich aus dem präzise gezeichneten Milieu und den Charakteren, die es bevölkern. Die Figuren sind allesamt keine Sympathieträger_innen – und doch ist es seltsam faszinierend, dem tragisch-exzentrischen, manchmal beinahe monströsen Treiben beizuwohnen. Durch Rückblenden und Ellipsen sowie eine Unheil verkündende Musikuntermalung wird eine Atmosphäre der Verunsicherung geschaffen, die selbst auf die idyllische Natur übergreift. Wenn aus Frustration allmählich Wahnsinn zu werden droht und aus vielen winzigen Streitigkeiten eine heftige Eskalation, bricht mehr und mehr der Horror hervor.

Die Hauptdarstellerinnen Elisabeth Moss ("Mad Men") und Katherine Waterston ("Inherent Vice") werfen sich mit Intensität in ihre komplexen, unberechenbaren Rollen und transportieren die Entfremdung zwischen Catherine und Virginia in allen denkbaren Schattierungen. Wenn die ausdrucksstarken Gesichter der beiden in klaustrophobisch anmutenden 16mm-Aufnahmen eingefangen werden, entsteht das, was man ohne Übertreibung als große Schauspielkunst bezeichnen kann.

Fazit: Der Indie-Filmer Alex Ross Perry setzt die eigentümliche Hassliebe zwischen zwei jungen Frauen wirkungsvoll in Szene; Elisabeth Moss und Katherine Waterston wissen vor der Kamera zu beeindrucken.





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