VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Tangerine L.A.
Tangerine L.A.
© Kool Filmdistribution © Die FILMAgentinnen

Kritik: Tangerine L.A. (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Sean Bakers "Tangerine L.A." ist der Film, der wohl in die Geschichte eingehen wird als die erste Kinoproduktion, die komplett mit iPhones gedreht wurde. Dieser Umstand ist sicherlich erwähnenswert, allein schon weil man der queeren Komödie dank einer aufwendigen Postproduktion seine Herkunft vom Smartphone nicht wirklich anmerkt. Allerdings sind die technischen Details der Drehbedingungen bei Weitem nicht das Spannendste an Bakers wildem Ritt durchs weihnachtliche, sonnendurchflutete Los Angeles.

Bemerkenswert ist nämlich erst einmal das unglaubliche Tempo, mit dem der Filmemacher sein Publikum in die Geschichte um eine rachsüchtige Sexarbeiterin wirft: Schnelle Schnitte, grelle Farben, dynamische Kamerafahrten und ein treibender Elektro-Soundtrack beeindrucken von der ersten Szene an mit ihrer Energie und erinnern an die Hochzeiten des Musikclips. Die an sich dünne Story von "Tangerine L.A." ist dank der rasenden Geschwindigkeit dabei kein Störfaktor, sondern dient lediglich als Aufhänger für eine ganze Reihe intensiver und bisweilen dokumentarisch anmutender Begegnungen.

Auf Hollywoods Straßenstrichen tummeln sich nämlich eine Vielzahl von interessanten Figuren, die Baker hier aufeinandertreffen lässt. Im Mittelpunkt stehen dabei jedoch immer die beiden herausragenden Hauptdarstellerinnen Kitana Kiki Rodriguez und Mya Taylor. Ihre von den eigenen Autobiografien geprägten Performances bilden das Herzstück dieser lauten und mitunter hysterischen Komödie und sorgen für emotionale Höhepunkte. Denn dass "Tangerine L.A." allen Abgründen und Schimpfwörtern zum Trotz zu Herzen gehen und gezielt zärtliche Töne anschlagen will, wird spätestens beim ebenso gelungenen wie nachdenklich stimmenden Finale deutlich.

Fazit: Sean Baker inszeniert seine mit Smartphones gefilmte Komödie anfangs wie einen tempogeladenen Videoclip samt Elektrobeats und schnellen Schnitten. Nach und nach schlägt "Tangerine L.A." jedoch auch sanftere und nachdenkliche Töne an und begeistert durch dokumentarisch anmutende Begegnungen, interessante Figuren sowie die beiden herausragenden Hauptdarstellerinnen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.