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Sand Dollars
Sand Dollars
© Salzgeber & Co

Kritik: Sand Dollars (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Man kennt diese Geschichten über europäische Urlauberinnen in der zweiten Lebenshälfte, die an exotischen Stränden mit jungen Loverboys anbandeln. Da gibt es zum Beispiel die Touristin auf Haiti, die Charlotte Rampling in Laurent Cantets Film "In den Süden" von 2005 spielt. Das in der Dominikanischen Republik angesiedelte Drama "Sand Dollars", eine freie Adaption des gleichnamigen französischen Romans von Jean-Noël Pancrazi, dreht sich um eine solche Beziehung zwischen zwei Frauen. Das Drehbuch und die Regie übernahm das dominikanisch-mexikanische Filmemacherpaar Laura Amelia Guzmán und Israel Cárdenas. Mit ihrer Kenntnis der lokalen Verhältnisse verleihen die Regisseure dieser Geschichte spannungsgeladener, wechselseitiger Abhängigkeiten eine hohe Authentizität.

Anne ist zweifache Großmutter und ihr Sohn, der stets eine schlechte Verbindung vortäuscht, wenn sie ihn anruft, könnte mit seinen 40 Jahren schon Noelís Vater sein. Der eklatante Altersunterschied zeigt, wie absurd die Beziehung der beiden Frauen ist. Auch über weitere Ungereimtheiten lügen sie sich stundenweise hinweg: Anne liebt Noelís Körper und ihre Gesellschaft, weil sie sich dann selbst wieder jung und begehrt fühlt. Noelí verlangt Geld von ihr und gibt, damit die Quelle nicht versiegt, ihren Freund als ihren Bruder aus. Natürlich erwartet Anne unausgesprochen, dass Noelí sie liebt und befürchtet daher, hintergangen zu werden. Noelís wahre Lebensumstände aber würden Annes Illusionen nur stören: Deswegen weiß die Französin nicht einmal, wie alt Noelí ist. Die blutjunge Frau wiederum übt für sich alleine den Spagat zwischen der wirtschaftlichen Notwendigkeit, nett zu Anne zu sein, und den menschlichen Fragen, die diese Beziehung aufwirft. Wenn sich zwischen den Frauen trotzdem echte Zärtlichkeit und Nähe entwickelt, dann wohl auch aus dem gegenseitigen Wunsch heraus, sich zu trösten.

Geraldine Chaplin spielt die dürre Französin mit ihrem faltigen Gesicht bewundernswert schonungslos. An ihrer Seite wirkt die Laiendarstellerin Yanet Mojica in ihrer ersten Filmrolle wie ein Mädchen, das auf introvertierte Weise stolz ist. Mojica ist Tanzlehrerin und wenn Noelí mit Anne ein paar Schritte einübt oder sich im Takt der lebhaft-melancholischen Musik bewegt, wachsen ihrer Ausdruckskraft Flügel. Die Musik, die Landschaft an der Küste, die alten herrschaftlichen Villen und Nobelresorts der Europäer, das Tanzlokal, in dem sich die Einheimischen treffen, sorgen für eine fesselnde, kontrastreiche Atmosphäre. Hier kann es leicht passieren, dass die Realität sozialer Barrieren mal eben spielerisch ausgeblendet wird, gerade in intimen Begegnungen, die von ihnen profitieren.

Fazit: Das dominikanisch-mexikanische Filmemacherpaar Laura Amelia Guzmán und Israel Cárdenas strickt aus den Themen Sextourismus, Realitätsflucht und soziale Ungleichheit ein komplexes und gefühlvolles Beziehungsdrama zweier Frauen. Es besticht durch das schonungslose Spiel Geraldine Chaplins und seine authentische Atmosphäre.





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